Die Wahrheit über den 21. Spieltag

Michaela hat sich wieder gemeldet. Sie hatte mir in den vergangenen Wochen eine Einkaufstüte mit BVB-Schriftzug und eine BVB-Fahne geschickt. Dann kündigte sie an, sie werde demnächst nach Berlin kommen und sich dann melden. Mir wurde langsam mulmig, aber dann stand sie vor der Tür. Sie hatte den Körperumfang einer Schwangeren im 9. Monat, eine Glatze und roch frisch rasiert. Sie brachte mir einen BVB-Geldbeutel mit und grinste übers ganze Gesicht. Mir kam Michaela ziemlich bekannt vor. Sie sah aus wie Ralf Sotscheck. Und sie tat auch so, als sei sie Ralf Sotscheck. Kichernd erklärte sie mir, wie sie mich auf den Arm nehmen wollte, was ihr ja auch gelungen sei, wie sie meiner weihnachtlichen Blutgrätsche entnehmen konnte. Aber ich glaubte ihr nicht. Für mich wird sie immer die nette Michaela bleiben, auch wenn sie behauptet Ralf Sotscheck zu sein, ein bißchen gaga zwar, denn wer wechselt schon freiwillig vom BVB zu Hertha, aber harmlos wie ein buddhistisches Faultier. Michaela hatte eine Berliner Zeitung mitgebracht, in der ganzseitig die Tabelle abgedruckt war, weil Hertha auf Platz 1 stand. Das haben die Berliner auch nötig, denn so schnell wird das nicht wieder vorkommen, zuletzt passierte das vor fast 80 Jahren, als es noch gar keine Bundesliga gab. Kaum wehte ihnen die Höhenluft um die Nase, schien ihnen schwindlig zu werden, denn sofort ließen sie sich von den zahnlosen Wölfen in Wolfsburg vernaschen. Simunic beschwerte sich beim 2:1-Siegtreffer, er sei von Dzeko umgerissen worden, es sah aber mehr so aus, als ob ihm der 1. Platz nicht bekommen sei, weshalb er vor lauter Schwäche zu Boden sank. Der erste Platz war also wieder vakant, aber völlig überraschend nutzten die Bayern diese Gelegenheit nicht. Wahrscheinlich wollten sie die Hilfe von Wolfsburg nicht in Anspruch nehmen. Zu Hause verloren sie überraschend 2:1 gegen die Kölner, bei denen gerade das jährliche Irren-Festival stattfindet, auf dem alle mit bunten Hütchen herumlaufen und kreischen und so schreckliche Gesichter haben wie Christof Daum, der auf der Pressekonferenz wie ein mit Beruhigungsmitteln vollgestopftes Frettchen herumschwarwenzelte, das kaum seine triumphierenden Gefühle im Zaum halten konnte, nur weil ihm in seiner gesamten Trainerlaufbahn zum ersten Mal zufällig ein Sieg gelungen war, und das mit der allerletzten Gurkentruppe. Die Bayern haben jetzt von den vier Rückrundenspielen nur das gegen den BVB gewonnen, worin sich die gesamte Ungerechtigkeit der Welt manifestiert, und dennoch mischen sie auch weiterhin oben mit, weil niemand die Verantwortung übernehmen will. Auch die Hoffenheimer nicht. Gegen Stuttgart verschoß Salihovic in der Nachspielzeit einen Elfer und schenkte den Schwaben zwei Punkte, obwohl Lehmann wieder Aufsehen erregte, indem er sich Salihovics Schuh schnappte und auf das Tornetz warf, ein Verhalten, das ihm eine geharnischte Rüge von Trainer Rangnick einbrachte, während Gomez klagte, »ein paar Spieler bei denen« würden ihm »richtig auf die Eier« gehen, wahrscheinlich Demba Ba, der mit drei Toren jeden Vorsprung der Stuttgarter egalisierte. Und deshalb wird dieses eigentlich recht spannende und aufregende Spiel als »giftiges Spiel« in die Annalen eingehen. Da fällt das Revier-Derby zwischen Schalke und dem BVB dagegen mau aus. 1:1 endete es. Boateng hat seine Weddinger Streetcredibility unter Beweis gestellt und angeblich Krstajic einen Muskel gequetscht. Aber das glaube ich nicht, denn Krstajic gehört nach allen Zeitungsberichten zu den härtesten Verteidigern der Liga. Wie soll das gehen?