Die Wahrheit über den 19. Spieltag

Wieder wird der Video-Beweis als Hilfsmittel für den Schiedsrichter heiß gehandelt, denn in Dortmund kam es zu einer kuriosen Situation. Dem wunderbaren Kopfballtreffer von Aubameyang nach Flanke von Piszczek ging eine Abseitsstellung von ein paar Zentimetern voraus. Niemand hatte sie erkennen können. Nicht die Schiedsrichter, nicht die Spieler und nicht das Publikum, nur die Kamera. Und während die Dortmunder jubelten, die Ingolstädter, die bis zur 77. Minute das Spiel mit einer für sie typischen unattraktiven Spielweise offen gehalten hatten, ließen die Köpfe hängen und die Fans jubelten, wurde das Tor über die Videoleinwand noch einmal gezeigt, und plötzlich waren für alle die paar Zentimeter zu sehen, die Aubameyang im Abseits stand. Die Firma »Stadion Live« ist für das verantwortlich, was auf der Videoleinwand gezeigt wird, und gezeigt werden soll nur das, was eindeutig ist, d.h. selbst dem Redakteur am Bildschirm ist die knappe Abseitsstellung offenbar entgangen. Nach dem Spiel musste der Arme beim BVB seinen Faux Pas erklären. Aber vielleicht ist er ja aus Bayern. Die Ingolstädter bestürmten daraufhin die Schiedsrichter, die jetzt natürlich in der Zwickmühle steckten, sich jedoch Gottseidank nicht beeinflussen ließen. Das wäre vermutlich anders gewesen, hätte der Gegner Bayern München geheißen. Für viele wieder ein Argument für die Notwendigkeit, den Videobeweis einzuführen. Immerhin könnte man dann auf die Schiedsrichter verzichten. Dummerweise ist aber manchmal selbst mit verschiedenen Kameraeinstellungen nicht zu klären, ob es Foul oder Schwalbe war. Auch die beiden kniffligen Situationen, in denen Hummels die Hauptperson war, als er im Zweikampf mit Lezcano vor dem leeren Tor zu Boden ging (Bürki irrte mal wieder irgendwo im Strafraum umher) und Piszczek im letzten Moment klärte, oder auch das kuriose Eigentor von Hummels, der von Lezcano von hinten getroffen wird, weshalb der Ball eine merkwürdige Flugbahn über Bürki hinweg beschrieb und im Tor landete, beide Situationen hätten auch anders bewertet werden können. Insofern hatte der BVB an diesem hässlichen Regentag einiges Glück, das sich ungefähr mit dem Pech, das sie in Köln hatten, vergleichen ließ. Immerhin erzielte Aubameyang noch einen zweiten, diesmal unumstrittenen Treffer, so dass der Sieg nicht allein an den paar Zentimetern hing. Aber Dortmund spielte nicht gut, und man konnte sehen, wie schwer Gündogan zu ersetzen sein wird. Bestimmt nicht durch Ginter, der es einfach nicht schaffte, Struktur ins Spiel zu bringen und die entscheidenden Pässe zu geben. Aber auch Kagawa blieb schwach, Ramos machte wieder einmal auf seine technische Limitiertheit aufmerksam, und nur der 17jährige Pulisic, ein Neuzugang aus der eigenen Jugend, brachte in den letzten zwanzig Minuten ein wenig Schwung in das statische Spiel der Dortmunder. Den würde ich gerne häufiger sehen. Wie auch Spiele wie das 3:3 der Bremer gegen Hertha, in dem Pizarro mit zwei Treffern zeigte, das Alter manchmal immer noch vor Jugend geht.