Die Wahrheit über den 32. Spieltag

Nun ist es klar und ausgesprochen: Mats Hummels verlässt nach Gündogan und möglicherweise noch vor Mkhitaryan den BVB in einem Moment, in dem es mit Tuchel wieder aufwärts zu gehen schien. Jedenfalls hat Dortmund noch nie soviel Punkte eingesammelt wie bisher. Früher hätte es zu einer souveränen Meisterschaft gereicht, inzwischen hat Bayern durch Guardiola einen Modernisierungsschub in der Spielweise erhalten, und durch ihre Möglichkeiten, jeden Spieler zu kriegen, den sie haben wollen, halten sie den BVB auch bei dieser Punkteausbeute auf Distanz. Als ob die Ankündigung des Weggangs von Hummels Kräfte und Inspiration freigesetzt hätte, zeigten sich die Dortmunder gegen Wolfsburg zu Hause von ihrer besten Seite und überrollten den Tabellenzweiten der letzten Saison furios mit 5:1. Und das obwohl Hummels bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen wurde. Hummels meinte, es wären ja nur vielleicht 400 Fans, die das gemacht hätten (Watzke sprach von 5 Prozent der Besucher, also ca. 4000), aber sie machten sich bemerkbar, denn fast alle Fans finden, dass er zu jedem Verein der Welt hätte gehen können, nur eben nicht zu den Bayern. Und es gab dann ja auch gleich den ersten Knatsch, als Hoeneß süffisant bemerkte, Hummels hätte bei den Bayern angefragt, was Hummels als »größten Humbug, den er je gehört« hätte, abqualifizierte, woraufhin Rummenigge die Wogen glätten musste mit dem Hinweis, das Bayern auf Hummels zugegangen sei. Natürlich ist Hummels schwer und vielleicht auch gar nicht zu ersetzen, aber auf der anderen Seite ist es vielleicht auch nicht schlecht, wenn ihn der Ehrgeiz nach München lockt, denn dort wird ihm mit Sicherheit nicht die Rolle und die Bedeutung zugemessen wie bei den Dortmundern. Bei den Bayern ist er einer unter vielen, der sich erstmal gegen Martinez oder Boateng durchsetzen muss, die beide für ihn eine ernsthafte Konkurrenz darstellen und auch ähnliche Spielertypen sind. Er wird sich da häufiger auf der Bank finden als ihm lieb sein dürfte, ganz abgesehen davon, dass das Klima der Konkurrenz und des Neids nicht die Millionen wert sind, die er bei Bayern vielleicht mehr erhalten wird. Aber er will Titel sammeln, was wie ich finde, total überschätzt wird. In Dortmund hätte er zur Legende werden können, bei den Bayern ist er einer unter vielen. Natürlich hat Dortmund als eine der unattraktivsten Städte Deutschlands einen Standortnachteil, aber solange es Watzke nicht versteht, die wirklich guten Spieler vom Verein zu überzeugen, wird die Abwanderungsbewegung weiter gehen. Aber vielleicht ist es auch gut so, dass Dortmund gezwungen wird, sich mit neuen Spielern immer wieder neu zu erfinden, Talente heranzuziehen, aber auch natürlich als zweiter in der Nahrungskette anderen Vereinen die guten Spieler wegzukaufen. Das heißt dann leider, dass sich vor allem auch durch die Verteilung der Fernsehgelder ein System verfestigt, das früher oder später auf eine internationale Liga zusteuern wird. Und auch, dass in Deutschland nicht zuletzt durch den Einfluss der Bayern Scheichs und Oligarchen nicht die Möglichkeit haben, sich Vereine zu kaufen oder in sie zu investieren, also zu möglichen ernsthaften Konkurrenten der Bayern zu werden, verfestigt die Vorherrschaft der Bayern, während man in England beobachten kann, dass die irrsinnigen Investitionen und Fernsehgelder immerhin für eine große Überraschung gesorgt haben, denn keiner der Favoriten hat sich für die Meisterschaft durchsetzen können. Nach dem Sieg der Leverkusener gegen Hertha steht jetzt, zwei Spieltage vor Schluss, auch schon der 3. Teilnehmer der CL fest. Umkämpft ist jetzt nur noch der 4. Platz und die Abstiegsplätze. Die Eintracht hat im direkten Duell mit seinem verhassten Konkurrenten aus Darmstadt mit Ach und Krach 2:1 gewonnen, wobei sie in der ersten Halbzeit mit einem 1:0-Rückstand noch gut bedient waren. Auch die Begleitumstände waren einem Abstiegsderby angemessen. Darmstadt hatte so viel Angst vor den Eintracht-Fans, dass sie für alle ein Stadionverbot aussprach, und wenn sich ein Fan mit Kutte und Schal in der Sadt zeigte, musste er damit rechnen, Prügel zu beziehen oder verhaftet zu werden. Mit dieser rigiden Politik, die natürlich eine Kapitulation ist, konnten die Schlägereien auf ein Minimum beschränkt werden, es stellt sich dann nur die Frage, warum überhaupt noch Fußball, wenn er ohne Fans stattfindet.