Die Wahrheit über den 34. Spieltag

Die Bundesliga ist voller Superlative und war dennoch noch nie so vorhersehbar. Bayern wurde zum vierten Mal hintereinander Meister. Und in der nächsten Saison werden sie zum fünften Mal hintereinander Meister werden. Und ein Jahr später zum sechsten Mal. Spannend ist das nicht. Und deshalb kann ich nur noch einmal meinen Vorschlag wiederholen: Wenn Bayern schon Meister wird, warum schicken die Vereine dann nicht ihre B-Mannschaften auf das Feld und geben der ersten Mannschaft eine verdiene Ruhepause? Verlieren tut man sowieso. Da spielt es auch keine Rolle mehr, ob man 3:0 oder 8:0 verliert. Den Nachwuchsspielern macht man damit eine Freude und Bayern hat keinen Gegner mehr, den sie allerdings sowieso nicht haben. Sie können sich dann ganz auf ihre internationalen Spiele konzentrieren und kommen dann vielleicht mal wieder ins Endspiel. Es wäre dann immerhin spannend zu beobachten, ob es für die besten Spieler in Deutschland und auf dem internationalen Markt wirklich attraktiv ist, gegen Jugendspieler und Ersatzmannschaften antreten zu müssen, von denen sie nicht wirklich gefordert werden. Aber vermutlich ist Bayern sowieso schon mit der Ausarbeitung eines Masterplans beschäftigt, um sich die lästige Bundesliga zu ersparen und in einer europäischen Liga zu spielen. Dann würde die Bundesliga vielleicht wieder spannend. Sogar in der Respect-Bar waren die Reihen deutlich gelichtet, denn auch bei Dortmund ging es um nichts mehr. Und das sah man der Mannschaft auch an, denn wie schon gegen Frankfurt fanden die Dortmunder kein Mittel gegen die tief gestaffelte Abwehr der Kölner, denen immer wieder gefährliche Konter gelangen. Das 2:2 am Ende war für die Dortmunder sogar schmeichelhaft, weil beide Tore haltbar waren. Tuchel meinte, dass die Spieler nicht bereit waren, das Spiel anzunehmen, und ob sie es gegen Bayern im Pokalendspiel seien, müsste man erst sehen. Niemand aber, nicht mal in der Respect-Bar, glaubt an einen Sieg. Es reicht einfach nicht, wenn Weigl im Mittelfeld die Bälle hin und her schiebt, die wenigen langen Bälle aber nicht ankommen und kein Überraschungsmoment vorhanden ist. Und davon auszugehen, dass man nochmal das Glück wie im letzten Jahr hat, als die Bayern einen Elfer nach dem anderen verschossen, wird man kaum haben. Dortmund muss sich damit begnügen, der beste Zweite in der Geschichte der Liga zu sein, der mit 78 Punkten in den vergangenen zwanzig oder fünfundzwanzig Jahren sechzehn Mal Meister geworden wäre. Spannend war an diesem Spieltag nur ein einziges Spiel, und das war Werder gegen Eintracht. Und das endete eigentlich voraussehbar mit einem Sieg der Bremer, wenngleich auch erst in der 88. Minute. Denn auch wenn die Eintracht gegen den BVB eine Woche zuvor mit 1:0 gewonnen hatte, war das mehr durch Glück als durch Können zustande gekommen. Die spielerischen Möglichkeiten der Frankfurter sind doch sehr beschränkt, während die Bremer immer wieder gezeigt haben, dass sie es können, wenn es darauf ankommt. Und sogar gegen die Bayern im Pokalhalbfinale flogen sie nur durch die aktive Mithilfe des Schiedsrichters raus. Jetzt muss die Eintracht gegen Nürnberg in die Relegation. Es treffen also zwei erfahrene Fahrstuhlmannschaften aufeinander, und das ist schon mal spannender als das, was die Liga sonst zu bieten hatte.