Die Wahrheit über das letzte CL-Gruppenspiel Real-BVB

Nach dem Spiel sagte Zinedine Zidane, dass Dortmund den Gruppensieg verdient gehabt hätte. Ein größeres Lob hätte man nicht einheimsen können. Vom großartigsten Spieler seiner Zeit, vom erfolgreichsten Trainer und vom bestaussehendsten Mann seiner Branche. Tuchel kann da in keinem der Punkte mithalten, aber was die beiden Mannschaften im Bernabeu-Stadion boten, war ganz großer Fußball, und das, obwohl es nur noch um Platz 1 oder 2 ging. Es ging für den BVB also um die nicht gerade alles entscheidende Frage, ob man im Achtelfinale auf die Gruppenersten oder Gruppenzweiten treffen wird, und da hat man nach dem sensationellen Unentschieden nun das nur leicht bessere Ende erwischt, auf ManCity, Benfica, Sevilla, Paris oder Porto zu treffen, auch nicht gerade Mannschaften, gegen die man in jedem Fall weiterkommen wird. Nach dem Eindruck jedoch, den Dortmund in Madrid hinterlassen hat, scheint alles möglich. Vielleicht hatten die Dortmunder etwas Glück, weil Ronaldo nur den Pfosten traf und die Madrilenen auch sonst zwei bis drei Großchancen liegenließen, aber als dann der das 1:0 durch dämliches Herumstehen verschuldende Schürrle endlich für Reus ausgewechselt wurde, nahm das Spiel noch einmal durch zwei grandios herausgespielte Treffer Fahrt auf. Und in diesem Spiel konnte man beobachten, was passiert, wenn zwei Mannschaften auf hohem technischen Niveau aufeinandertreffen. Dann nämlich kommen die spielerischen Möglichkeiten der Dortmunder zum Vorschein, die gegen hartbeinig verteidigende und zerstörerische Mannschaften häufig untergehen. Sonst ging es bei den meisten Spielen um nichts mehr. Arsenal und Paris waren schon durch, während Benfica noch zittern musste, weil man zu Hause in einem ausgeglichenen Spiel gegen die zweikampfstärkeren Neapolitaner knapp mit 2:1 unterlag. Besiktas hätte also gegen das bereits als Gruppenletzter feststehende Dynamo Kiew noch eine Chance gehabt, eine Runde weiterzukommen, versiebte dies aber auf grandiose Weise mit einer 6:0-Schlappe. Barca war schon lange durch und gewann gegen Gladbacher, die nie einen Zugriff aufs Spiel bekamen, mit 4:0, ohne dass man den Eindruck hatte, sie hätten sich dafür anstrengen müssen. Bayern durfte sich gegen Atletico, die ebenfalls bereits als Gruppenerster feststanden, mit einem 1:0 revanchieren. Und auch Leverkusen bestritt gegen Monaco ein Freundschaftsspiel ohne Wert, das nur dafür taugte, sich ein bisschen Mut anzuspielen für die bislang vergeigte Saison. Und Ranieri ließ sein bereits auf Platz 1 platziertes Leicester City so rotieren, dass man in Porto ein 5:0-Fiasko hinnehmen musste, was ein wenig gemein gegen Kopenhagen war, denn indem man den Portugiesen die Punkte schenkte, hatten die Dänen keine Chance mehr, weiterzukommen. Und auch in der letzten Gruppe war Juventus Turin längst qualifiziert und gewann gegen den mit Null Punkten Tabellenletzten Zagreb. In der derart aufgeblasenen CL können einige Mannschaften einfach nicht mithalten, die Spannung ist in der Regel raus, weil häufig schon vor dem letzten Spieltag die Gruppenplatzierungen feststehen