Die Wahrheit über den 14. Spieltag

Nach dem rauschhaften 2:2 in Madrid war es klar, dass Dortmund nur schwer wieder in den Bundesligaalltag zurückfinden würde, vor allem nach nur drei Tagen Regenerationszeit. Und dann noch in Köln, wo der BVB in den letzten Jahren nicht mehr siegen konnte und wo man bei der letzten Begegnung in der Schlussphase eine 1:0-Führung verspielte, weil die Mannschaft einfach zu platt war. Das hatte ich noch in Erinnerung, als ich in Hamburg die BVB-Kneipe »30« in der Fruchtallee ansteuerte. Ich hatte also alles andere als ein gutes Gefühl, aber dann saß ich neben drei Pärchen aus dem Ruhrgebiet, die Pils tranken und Pizza aus Pizzapappschachteln verspeisten. Da konnte eigentlich alles nur gut werden. Und in der Anfangsphase sah es dann auch so aus, als ob die Reus-Aubameyang-Dembele-Offensive mit ihrem schnellen Spiel an das Wunder von Madrid würde anknüpfen können. Und dann fiel auch ganz schnell das 1:0, das wegen Abseits leider nicht gegeben wurde, aber sofort spürte ich dieses Gefühl der Leichtigkeit, das einen unbesiegbar macht. Aber dann fingen die Kölner wieder an, das zu tun, was sie eben können, nämlich das Spiel zu zerstören. 26 Fouls begingen sie, und das war in der Statistik der einzige Wert, in der die Kölner führten. Und es genügte ihnen ein genial ausgeführter Freistoß, den Rudnevs ins Tor köpfte, weil Durm nicht aufpasste. Dortmund hatte einige Fehlbesetzungen zu verkraften. Schmelzer verursachte den Freistoß, weil ihm der Ball zu weit vom Fuß sprang, wie er überhaupt immer den Ball engagiert nach vorne trieb, bis sich ein Kölner näherte. Dann bremste Schmelzer ab und spielte zurück. Durm fiel nur bei haarsträubenden Fehlern auf und Castro trottete lustlos auf dem Platz herum. Die Kölner hatten ihr Ziel erreicht und den Dortmundern die Lust am Spiel genommen, dennoch hielten die Schwarzgelben dagegen und wehrten sich mit überdurchschnittlich vielen Fouls, weil sie wussten, dass sie gegen die Kölner nicht anders bestehen würden. In der 90. Minute ging ich deprimiert aufs Klo, wo ich dann das Torgeheul hörte. In der Vorbereitung glücklich, aber dann toll herausgespielt und genau zum richtigen Zeitpunkt traf Reus genau die kleine Lücke ins Tor, um die Kölner zu deprimieren. Mit dieser rituellen Handlung habe ich dem BVB schon viele Punkte beschert, auch wenn ich es nur in den allernötigsten Fällen mache. Der Tabellenerste Leipzig verlor beim Tabellenletzten Ingolstadt mit 1:0 und wehrte sich gegen seine erste Niederlage mit Hauen und Stechen, was Leipzig nicht sympathischer macht. Wolfsburg fuhr als williges Opfer nach München und nahm demütig ein 5:0 hin. Draxler saß nicht mal mehr auf der Bank und steht jetzt aufgrund von Lustlosigkeit auf der Transferliste. Ihn am Saisonanfang für unverkäuflich erklärt zu haben, das sei, erklärte Manager Allofs zerknirscht, ein großer Fehler gewesen. Jetzt wird wohl kaum jemand mehr etwas für ihn ausgeben wollen. Wolfsburg trudelt gerade unaufhaltsam dem Abstieg entgegen. Und Hertha verlor zu Hause gegen Bremen. Dabei hatte man einen Sieg sicher eingeplant, denn Bremen galt bislang als sicherer Punktelieferant.