Die Wahrheit über den 19. Spieltag

Der Empfang der Leipziger Fans war nicht besonders freundlich. 28 Strafanzeigen wurden gestellt wegen Körperverletzung. Drei Polizisten und ein Polizeihund bekamen was ab, und ohne deshalb gleich in Hysterie verfallen zu wollen, denn dafür war nun wirklich zu wenig passiert, kann man davon ausgehen, dass die rechte Szene mal wieder ihr »schmutziges Haupt« erhoben hat, so hätte man das jedenfalls früher genannt. Der Verein kann zwar versuchen, die Rechtsradikalen aus dem Stadion zu halten, aber er kann wenig dagegen tun, dass sie sich Dortmund als Hochburg ausgesucht haben, für die die Sozialdemokratie das passende architektonische Ambiente geschaffen hat, trostlose Siedlungen, in denen die soziale Situation einem nicht viele Möglichkeiten einräumt, sein Leben zu gestalten. Aber auch die Südtribüne, die gerne als sportliches Ereignis gefeiert wird, zeigte sich von ihrer dämlichen Seite mit nicht sonderlich einfallsreichen Spruchbändern wie »Verpisst Euch« oder »Leipziger Hosenscheißer«, statt sich mal lustige Spott- und Hohngesänge einfallen zu lassen. Daran sollten die diversen Fangruppen mal arbeiten, schließlich ist es schon schlimm genug, wenn es in anderen Stadien so zugeht.
Die Leipziger konnten sich jedoch schon allein aufgrund des Reglements nicht »verpissen« und auch als »Hosenscheißer« ließen sie sich schlecht bezeichnen, denn sie spielten durchaus mit und riegelten eben nicht wie andere Mannschaften den Strafraum ab, und dieser Spielweise war es zu verdanken, dass die Dortmunder endlich mal wieder ein Spiel aufziehen konnten, das sehenswert war, und spannend obendrein. Ein »gefühltes 4:0« sei das gewesen, meinte Tuchel anschließend, aber Aubameyang, Reus und Dembelé ließen etliche Großchancen liegen, und deshalb war das Spiel bis zum Schluss offen, und das kann sich mit einer gelungenen oder zufälligen Situation schnell ändern. Das hatte das vergangene Spiel gegen Mainz wieder schmerzlich in Erinnerung gerufen, als die Dortmunder das gesamte Spiel beherrschten und den Mainzern eine Flanke und ein Kopfball genügten, um das Spiel auf den Kopf zu stellen. Und auch im Spiel gegen Leipzig war diese Option immer drin, wie die allerletzte Sekunde der Nachspielzeit zeigte, als die Leipziger noch den Ausgleich schossen, der wegen Abseits jedoch nicht gegeben wurde, wobei es höchstens ein Arm war, der sich im Abseits befand, was ein wenig wenig für eine Abseitsentscheidung ist, weshalb dem Linienrichter ein großes Lob ausgesprochen werden muss, denn diese Spielsituation kam nur deshalb zustande, weil den Dortmundern vorher ein eindeutiger Eckstoß verwehrt worden war. Ende gut alles gut also. So haben die Dortmunder wieder etwas Luft, um die sich zuletzt häufenden Medienberichten über das Knirschen im Gebälk des Apparates vom Hals zu schaffen, denen zufolge jetzt auch noch Reus Abwanderungsgedanken hegt, Tuchel die Mannschaft nicht mehr im Griff hat und über »Kommunikationsdefizite« mit Zorc und Watzke. Wenn Klopp in Liverpool weiterhin von Niederlage zu Niederlage eilt, vielleicht könnte Tuchel ja seine Stelle antreten und Klopp dann wieder zurückkehren. Naja, ist ja nur ein kleiner Wunschtraum.