Die Wahrheit über den 26. Spieltag

Das erste schöne richtig warme Wochenende, und dann geht man für ein mieses 1:1 in eine miese Kneipe, ein Unentschieden im Revierderby, das sich anfühlte wie eine Niederlage und sich nicht nur so anfühlte, sondern auch tatsächlich eine war, denn alle anderen Konkurrenten um die CL-Plätze gewannen souverän, so dass der BVB jetzt auf den 4. Platz abrutschte. Und es fühlte sich wie eine Niederlage an, weil der BVB alle Möglichkeiten hatte zu gewinnen. Aber häufig wurde in der allerletzten Aktion vor dem sicheren Tor die falsche Entscheidung getroffen, was den Spielern nicht vorzuwerfen ist, weil es sich dabei um eine instinktive Reaktion handelt, die eben manchmal richtig und manchmal falsch ist. In diesem Spiel war sie meistens falsch. Dortmund war haushoch überlegen, und vor allem Dembelé wurde häufig gefoult, weil er sonst einfach nicht mit seiner perfekten Körpertäuschung und seiner Schnelligkeit zu stoppen war. Schalke spielte wie eine Auswärtsmannschaft und war auf Konter aus, die in der Regel jedoch durch das hohe Pressing der Dortmunder im Keim erstickt wurden. Das ziemlich gute Spiel wurde in der 2. Halbzeit dann richtig rasant, vor allem nach dem 1:0 der Dortmunder nach einem genialen Steilpass von Dembelé auf Kagawa, der vor dem herausstürzenden Fährmann quer auf Aubameyang spielte, so dass der nur einschieben brauchte, ein Treffer, den der Torschütze auf sympathisch-verspielte Weise mit einer Spiderman-Maske feierte. Die Schalker beschwerten sich beim Schiedsrichter, weil dem Tor angeblich ein Foul von Sokratis im Strafraum vorangegangen war und sie gerne einen Elfer dafür gekriegt hätten, aber da hätte Schalke zu diesem Zeitpunkt nur noch mit 9 oder 10 Mann gespielt, hätte der Schiedsrichter solche Fouls konsequent geahndet. Jetzt musste Schalke in die Offensive gehen, weshalb sich für die Dortmunder mehr Raum zum Kontern bot, aber die Chancen, die sich durch die Konter ergaben, wurden leichtsinnig vergeben, vor allem als Aubameyang allein vor Fährmann generös auf Dembelé spielen wollte, statt allein den sicheren Abschluss zu suchen, sodass Höwedes in letzter Sekunde klären konnte. Dann verletzte sich Schmelzer bei einer Rettungsaktion. Und obwohl die medizinische Abteilung sofort eine Auswechslung signalisierte, ließ man sich auf der Dortmunder Bank Zeit, bis der Ausgleich der Schalker perfekt war. Und dieses Tor gab den Schalkern Auftrieb, sie drängten die Dortmunder in die Defensive, und als Bartra in der Nachspielzeit der Ball an die Hand sprang, forderte Schalke vehement einen Elfer und sogar Tuchel meinte, dass man dafür hätte einen Elfer geben können, was aber nicht dem Reglement entsprochen hätte, das vorsieht, nur absichtliches Handspiel zu ahnden, wenn der Spieler versucht, einen Schuss durch eine sogenannte Vergrößerung der Abwehrfläche zu verhindern. Bartra aber blockte keinen Schuss ab, sondern versuchte den Ball unter seine Kontrolle zu bringen, der ihm dann unglücklich an die Hand sprang, eine Chance vereitelte er nicht. Und mit dieser Einschätzung rahmte Tuchel eine paar weitere Fehlentscheidungen, denn er ließ sich nicht nur viel Zeit mit der Einwechslung nach Schmelzers Verletzung, sondern ließ auch den indisponierten Passlack spielen, und wechselte in der 87. Minute Pulisic für Kagawa ein, der einer der besten Spieler war, als ob er auf Zeit spielen wollte, denn Pulisic hätte er natürlich ein bisschen früher bringen müssen und zwar nicht für Kagawa, sondern für Passlack. Und um das beurteilen zu können, muss man kein Trainer sein, der nahe an der Mannschaft steht. Ein verlorenes Wochenende.