Die Wahrheit über den 31. Spieltag

Nach dem sensationellen 3:2 Pokalhalbfinalsieg der Dortmunder in München, der natürlich nicht ohne intensiven Aufwand gelungen war, war die Chance, zu Hause gegen Köln zu gewinnen, mit Sicherheit nicht so groß wie es die Wettquoten vermuten ließen, denn die Kölner spielten so, wie es zu erwarten war, mit zwei Viererketten vor der Abwehr. Die Dortmunder hätten schon fast so viel Glück gebraucht wie in München, um diese taktisch defensive und sehr stabile Grundausrichtung zu erschüttern. Trotzdem ist es immer wieder gelungen, aber entweder die Dortmunder verstolperten beim letzten Zuspiel den Ball wie nach der gefühlvollen Vorlage Dembélés über die Kölner Abwehr auf Castro, der mit der Brust auf Aubameyang weiterleiten wollte, was aber misslang, oder der Kölner Schlussmann Horn hielt sensationell stark wie den Kopfball von Guerreiro in der Nachspielzeit. Die Kölner hatten also das Glück auf ihrer Seite, das Dortmund gegen Bayern hatte, als Lewandowski zweimal und Robben einmal allein vor dem Tor scheiterten, weil Benders seither gefeierte Fußspitze den Ball an den Pfosten lenkte, der von dort an die Latte sprang, um erst dann zur sicheren Beute der Dortmunder zu werden. Und wenn die Kölner kein Glück hatten, dann stand ihnen der Schiedsrichter zur Seite, der gleich zwei Tore annullierte, weil Kagawas Fußspitze im Abseits gewesen sein soll, während im Falle von Reus‘ Tor überhaupt nicht ersichtlich war, wer da abseits gewesen sein sollte. Aber sonst hielt das Bollwerk der Kölner gegen die immer neuen schwarzgelben Angriffe, die zum Ende der ersten und zweiten Halbzeit jedoch langsam abebbten. Der schönste Moment passierte nach dem Spiel, als der Ex-Dortmunder Subotic von den Dortmunder Fans ebenso gefeiert wurde wie von den Kölner Fans. Als echter Stabilitätsfaktor in der Kölner Abwehr wäre er auch ein Gewinn für die Dortmunder gewesen, aber Tuchel mochte nicht mehr auf ihn setzen. Stattdessen lässt er die Dortmunder regelmäßig faktisch mit zehn Mann antreten, indem er immer wieder Durm bringt, der nur nominell als elfter Mann auf dem Rasen steht, aber nichts wirklich zum Spiel beizutragen hat. Und dafür, das muss man anerkennen, haben sich die Dortmunder ganz gut geschlagen. Allerdings reichte der eine Punkt nicht, um den dritten Platz zu halten, den Hoffenheim nach einem unglaublich zähen Spiel in der 90. Minute gegen die Eintracht wieder zurückeroberte, ein Vorgeschmack auf das Pokalendspiel, in dem die Eintracht alles auf rustikale Spielzerstörung setzen wird. Darmstadt zögert mit Siegen in Serie seinen Abstieg immer wieder hinaus, diesmal mit einem grandiosen 3:0 gegen die Freiburger, die sich zuletzt immerhin Hoffnungen auf einen internationalen Platz machten. Die zuletzt arg gebeutelten Augsburger fegten Hamburg mit 4:0 vom Platz und hüpfte auf Platz 13. Und nach der 4:1-Niederlage der Leverkusener zu Hause gegen Schalke, mischt nun auch Rudi Völler wieder im Abstiegskampf mit, in dem Hamburg und Wolfsburg allerdings in der Pole-Position sind. Bremen deklassiert Hertha mit 2:0 und ist den Berlinern, die auf Platz 5 stehen, jetzt bis auf einen Punkt auf den Fersen, und gelten bei ihrem Lauf nunmehr als vielversprechendster Kandidat auf einen der Euroleague-Plätze. Und sonst? Ach ja: Nach dem trostlosen torlosen Remis der Leipziger gegen Ingolstadt steht Bayern nach einem 6:0 beim Schießbudenverein Wolfsburg drei Spieltage vor Schluss zum 5. Mal hintereinander als deutscher Meister fest. Und niemand freut sich. Allen steckt noch das Aus im Pokal und in der CL in den Knochen.