Die Wahrheit über den 32. Spieltag

Es sieht nicht gut aus beim BVB. Watzke ist erstaunt und irritiert über die Kritik von Tuchel an der schnellen CL-Spielansetzung nach dem Anschlag auf den Bus, und äußert das auch noch. Tuchel verbietet sich jeden Kommentar dazu, weil er sich auf die Saisonziele (Platz 3 in der Bundesliga und Pokalendspiel) fokussieren will. Warum das alles nicht intern geklärt wird, sondern von der Presse breittreten lässt, weiß man nicht, aber es lässt auf einen ausgewachsenen Streit zwischen Vorstand und Trainer schließen. Jetzt äußerte Watzke auch noch, dass mindestens Platz 3, eigentlich Platz 2, der kaum mehr zu erreichen sein dürfte nach dem Sieg der Leipziger bei einer indisponierten Hertha, wie ein Zeugnis sei, das bei den Vertragsverhandlungen mit Tuchel am Saisonende eine Rolle spielen würde. Das aber ist keine gute Voraussetzung für Gespräche, ganz zu schweigen davon, dass es erstaunlich ist, wie hoch die Ziele bei der Borussia gesteckt waren nach dem Totalumbruch der Mannschaft. Das Betriebsklima war also ziemlich schlecht vor dem vorentscheidenden Spiel gegen Hoffenheim um Platz 3. Und genauso schlecht war auch das Spiel selbst. Nominell stand die stärkste Formation auf dem Platz, aber das Zusammenspiel war von unerklärlichen Fehlpässen und Missverständnissen geprägt. Es war phasenweise grausam anzusehen. Hauptsache gewonnen, kann man nach einem solchen Spiel nur sagen, denn verdient war der Sieg nicht, obwohl die Hoffenheimer auch nicht gerade glänzte und mit Schwalben und üblen Fouls versuchten, die Dortmunder aus dem Takt zu bringen, was ihnen auch gelang. Das ging dann ungefähr so: Ein Hoffenheimer attackiert Reus mit allen Mitteln, der sich beschwert, worauf der Hoffenheimer sich zu Boden fallen lässt, als hätte ihn der Blitz getroffen, worauf Reus die gelbe Karte erhält. Ein tolles Spiel kommt mit dieser Spielweise nicht zustande, und ich frage mich, warum Nagelsmann als Trainer so hoch im Kurs steht, wenn er seine Mannschaft mit dieser Einstellung auf den Platz schickt? Dafür übersah der Schiedsrichter dann die klare Abseitsposition von Reus, bevor er das 1:0 erzielte. Und er übersah auch noch einiges andere, aber da das Endergebnis stimmte, sollte man da nicht allzu sehr darauf herumreiten, denn schließlich kann sich Hoffenheim noch heute dafür bedanken, dass Dortmund ihnen vor zwei Jahren die Punkte geschenkt hat, die sie vor dem sicheren Abstieg retteten. Aber da Hoffenheim keine Fans hat, gibt es auch kein kollektives Gedächtnis, und deshalb auch keine Dankbarkeit oder Zuneigung, sondern nur Hauen, Kratzen und Stechen, weshalb es kein Wunder ist, dass solche Vereine in Dortmund auf wenig Liebe stoßen. Im Kampf um den Relegationsplatz haben Mainz und Wolfsburg gepunktet, jetzt stehen Mainz und Hamburg unter Zugzwang, die am Sonntag aufeinandertreffen (Ergebnis bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt). Bremen hat in einem furiosen Spiel in Köln verloren und musste die Rheinländer an sich vorbeiziehen lassen, weshalb es im Kampf um die Euroleague-Plätze noch einmal richtig spannend wird, denn sogar Schalke und Frankfurt im Mittelfeld können da noch mitmischen.