Die Wahrheit über den 33. Spieltag

Vor einer Woche erschien ein Hintergrundbericht über die Querelen beim BVB von Freddie Röckenhaus in der SZ, der für Furore sorgte. Röckenhaus ist nicht irgendjemand. Er hat die Machenschaften des damaligen BVB-Bosses Niebaum aufgedeckt und ihn zu Fall gebracht. Er ist ein ausgezeichneter Kenner des Vereins, und er ist dem BVB sehr zugeneigt. Er ist also nicht darauf aus, dem Verein zu schaden. Wenn er also schreibt, dass das Zerwürfnis so weit geht, dass auch Spieler sich über Tuchel beklagen, dann ist das nicht erfunden, wie das vielleicht Bild machen würde, um den Konflikt anzuheizen. Natürlich kann der Spieler nicht seinen Namen nennen, denn dann wäre er weg vom Fenster. Aber das lieferte Tuchel den Vorwand, den Konflikt am Schwelen zu halten. Es seien viele Unwahrheiten über ihn verbreitet worden, die die persönliche Grenze überschritten hätten. Wenn er sich dabei auf den Bericht in der SZ bezieht, dann allerdings lässt sich ihm schwerlich zustimmen und es macht nur eines deutlich, nämlich dass das Verhältnis von Vereinsführung und dem Trainer völlig zerrüttet ist. Davon zeugt auch das Auftreten von Nuri Sahin im zdf-Sportstudio, der auf diesen Konflikt angesprochen natürlich nicht offen Partei ergreifen konnte, aber es wurde durch das, was er nicht sagte, auch so ziemlich deutlich. Er sprach nur von dem rein professionellen Verhältnis, das die Spieler zum Trainer hätten, und gab nicht den Hauch eines Bekenntnisses zu Tuchel ab. Warum auch, denn es ist kein Geheimnis, dass Tuchel ihn kaum berücksichtigte, der wiederum es wahrscheinlich als Affront begriffen haben dürfte, dass der Verein den Vertrag mit Sahin gerade um zwei Jahre verlängert hatte. Und obwohl der Berater Tuchels darauf drängte, dass beide Seiten sich langsam mit Äußerungen zurückhalten sollten, hört Tuchel nicht auf, sich über irgendwelche nicht näher benannten Anschuldigungen und über ihn verbreiteten Unwahrheiten zu beschweren, ohne jedoch Anstalten zu machen, sich mal mit der Vereinsführung zu treffen, um den Dissens und die Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Dass dieser Konflikt die Mannschaft unberührt lässt, ist schwerlich zu glauben. Das Spiel in Augsburg jedenfalls war alles andere als ansehnlich, obwohl Tuchel die nominell stärkste Mannschaft aufgestellt hatte. Dann verletzte sich auch noch Weigl schwer und fällt für die restlichen zwei Spiele aus. Und Tuchel lässt am Ende nicht etwa auf Sieg spielen, sondern auf Ergebnishalten eines traurigen Remi. Jetzt ist Hoffenheim im Kampf um Platz 3 wieder dran und nur 4 Tore schlechter. Irgendwie kann man den Eindruck bekommen, dass Tuchel genau weiß, dass seine Zeit beim BVB abgelaufen ist und nun aus Rache versucht, das letzte Spiel zu vergeigen, was gegen Bremen z.Z. auch gar nicht so schwer sein dürfte. Und das Pokalfinale gegen die Eintracht? Da weiß man schließlich, dass der Pokal seine eigenen Gesetze hat. Wahrscheinlich deshalb redet Tuchel die ganze Zeit davon, dass er sich auf die letzten Spiele fokussieren will, wobei ihm aber immer noch Zeit genug bleibt, Öl ins Feuer zu gießen. Z.Z. macht es jedenfalls keinen Spaß, dem BVB zuzusehen. Fast alle anderen Spiele sind da interessanter, wie das Mainzer Spiel gegen die Eintracht, das sie nach 0:2 noch 4:2 gewannen, womit sie einen großen aus dem Abstiegssumpf heraus gemacht haben. Oder das 1:1 zwischen Schalke und dem HSV, als Schalke in der Nachspielzeit der Siegtreffer aberkannt wurde, weil der Ball bei einer Ecke angeblich die Torauslinie überschritten hatte, wofür es aber keinen Beweis gab, was wieder mal ein Beleg für den unglaublichen Dusel der Hamburger in ihrem schon jahrelang andauernden zähen Abstiegskampf ist. Ingolstadt hingegen ist durch dieses eine nicht anerkannte Tor nun endgültig abgestiegen. Jetzt gibt es am letzten Spieltag ein echtes Finale um den Abstieg in Hamburg gegen Wolfsburg. Der HSV muss siegen, aber es sieht nicht so aus, als ob er das könnte. Immerhin ein Spiel, das man sich gelassen angucken kann, denn egal, wie das Spiel ausgeht, es hat auf jeden Fall den richtigen getroffen.