Die Wahrheit über den 11. Spieltag

Immerhin waren die Dortmunder besser als man erwarten konnte nach den zuletzt eher erbärmlichen Auftritten. Aber bei einem Gegner wie Bayern hat man es natürlich auch nicht mit einer Mannschaft zu tun, die sich hinten einigelt und auf Konter lauert, d.h. die Dortmunder waren selbst defensiv gefordert, aber obwohl sie versuchten forsch aufzutreten, gaben sie den Bayern einfach zuviel Räume, und das ist bei diesem Gegner tödlich, wie sich gleich beim ersten Treffer zeigte, als Robben von seiner Lieblingsposition innerhalb des Sechszehners in aller Ruhe seine Ecke anvisieren konnte. Danach war es eigentlich schon vorbei, denn das sowieso schon angeknackste Selbstbewusstsein löste sich dadurch noch mehr auf und spätestens in der 37. Minute, als Lewandowski ein abgefälschter Hackentrick gelang, war klar, dass die Glücksgöttin auf seiten der Bayern stand. Dortmund hingegen hatte durchaus Chancen, und zwar ziemlich klare, aber sie ließen sich ablaufen wie Aubameyang oder schossen den Torhüter an wie Yarmolenko, oder sie standen sich beim Abschluss gegenseitig im Weg. Mit Glück hätte der BVB sogar gewinnen können, wenn sie diese Chancen konsequent genutzt hätten und Bayern ihre Chancen nicht, weil dann vielleicht ein anderes Spiel entstanden wäre, vielleicht hätten die Bayern dann aber auch den Druck erhöht, dem die Dortmunder wahrscheinlich nicht standgehalten hätten, aber das sind alles Spekulationen. Sicher ist nur, dass der BVB verdient verloren hat, nicht nur weil die Bayern mit dem Rückenwind von sechs Siegen in Folge antraten, während der BVB nur auf einen Sieg gegen einen Drittligisten zurückblicken konnte, sondern weil Bayern auch die besseren Einzelspieler hat, die sich obendrein in besserer Form befinden. Die Ausnahme war wieder einmal nur Pulisic. Der BVB hätte nur dann eine Chance gehabt, wenn sie als Mannschaft aufgetreten wäre, die sich spielerisch blind versteht, wie z.B. der SC Neapel, der ohne Neuzugänge und Stars sogar Manchester City Paroli geboten hat und auf Platz 1 der Serie A steht. Aber davon ist der BVB weit entfernt. Und das liegt auch am Trainer, wenn er im Training so wenig so bieten hat wie in den Interviews. »Das war nicht gut«, »wir waren nicht aggressiv genug« oder »wir standen zu weit weg« ist eine magere Bestandsaufnahme, aber keine Analyse. Und irgendwie verhält sich die Mannschaft gerade wie Bosz am Spielfeldrand: Unbeweglich und irgendwie unbeteiligt, ohne Regung. Die Krise kam schleichend und verdeckt durch die anfänglichen Erfolge gegen mittelmäßige Mannschaften. Da hätte Bosz bereits sehen müssen, dass etwas nicht stimmt, dass es im Mannschaftsgefüge nicht stimmt, dass sich die Dortmunder selbst einlullten mit ihrer Siegesserie, mit dem Gefühl, alles würde von allein gehen, weshalb die Anspannung verloren ging. Bosz aber ist nicht in der Lage, der Mannschaft das Gefühl zu geben, sie könnte das ändern, wie auch, sieht Bosz doch selbst nicht so aus, als könne er Spannung und Leidenschaft erzeugen. Fußball ist aber keine technokratische Angelegenheit, wo man an bestimmten Stellen ein Schräubchen dreht, damit das Ganze wieder funktioniert. Hinzu kommt allerdings auch, und das muss man fairerweise sagen, dass Dortmund von großem Verletzungspech geplagt ist, vor allem in der Verteidigung. So richtig deutet nichts darauf hin, dass der BVB so schnell wieder aus der Krise kommt.