Die Wahrheit über den 13. Spieltag

4:1 tippte ich für Schalke vor dem Spiel, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass der BVB nach den letzten Auftritten auch nur eine leise Chance haben würde. Aber dann sah man ein Schalke, dass durch übermotivierte Härte die Dortmunder verunsichern wollte, stattdessen aber selbst den Faden verlor, wobei die Schalker Glück hatten, dass Schiedsrichter Aytekin Kehrer nach zwei üblen Fouls nicht vom Platz stellte. Das holte er dann später bei Aubameyang nach, der für einen normalen Zweikampf und ein harmloses Foul gelbrot bekam. Aber das war gar nicht mal spielentscheidend in einem Match, das in zwei völlig unterschiedliche Halbzeiten auseinanderfiel. Dem BVB nämlich gelang in der ersten Halbzeit alles. Jeder Schuss ein Treffer, und wenn dei Dortmunder nicht trafen, dann halfen die Schalker mit einem Eigentor aus. Nach dem wunderbaren 4:0 durch Guerreiro in der 25. Minute, der einen geblockten Schuss volley in die lange Torecke wuchtete, war für alle das Spiel entschieden, derartig dominant spielte Dortmund, während Schalke nur durch die Großmut Aytekins weiterhin zu elft auf dem Platz stand. Bereits in der 34. Minute korrigierte der Schalker Trainer Tedesco mit zwei Auswechslungen die Spielweise seiner Mannschaft und schaffte es damit zumindest, dass es nicht noch schlimmer kam. In der zweiten Hälfte begann das Spiel zu kippen. Die Schalker spielten jetzt überlegter und geordneter und kamen in der 53. Minute durch Naldo zum Anschlusstreffer, der jedoch wegen einer leichten Abseitsstellung nicht zählte. Drei Minuten später hatte Aubameyang das 5:0 auf dem Fuß, als er dem Schalker Torhüter Fährmann den Ball wegnahm, aber gleich darauf wieder vertändelte. Die große Chance war vertan. Stattdessen schlichen sich wieder die bekannten merkwürdigen Aussetzer in der Abwehr ein, als Burgstaller einen langen Ball über Weidenfeller hinweg ins Tor köpfte, während Toprak und Sokratis zusahen und Weidenfeller viel zu weit vor dem Tor stand. Dann ging es Schlag auf Schlag: Nur fünf Minuten später viel das 2. Schalker Tor und Bosz bekam plötzlich Angst, wechselte Bartra für Yarmolenko ein, und als Aubameyang kurz darauf den Platz verlassen musste, stand Dortmund ohne Sturm da. Bosz setzte weiter auf totale Defensive und wechselte einen der besten Dortmunder Guerreiro gegen Zagadou ein, der kurz darauf sich von Caligiuri gleich zweimal austanzen ließ, während fünf andere Dortmunder im Strafraum interessiert dabei zusahen, wie der Schalker in der 86. Minute den Anschlusstreffer erzielte. Die Dortmunder waren nun vollkommen von der Rolle und schlugen die Bälle nur noch blindlings nach vorne, wo niemand mehr stand, so dass die Schalker einen Angriff nach dem anderen setzen konnten. In der 4. Minute der Nachspielzeit verlor wieder Zagadou die Orientierung und ließ Naldo frei zum Kopfball und zum Ausgleich kommen. Danach hatte niemand mehr eine Erklärung parat. Das, was da passiert ist, hätte nicht passieren dürfen, analysierte Bosz präzise die Lage und drückte damit nur aus, was jeder wusste, aber sich deshalb noch lange nicht erklären konnte. Die große Verunsicherung geht also weiter, und zwar verschärft, weil man es erstmal schaffen muss, einen 4:0-Vorsprung sich wieder abnehmen zu lassen. Das geht noch mehr in die Knochen und die Psyche als eine vermurkste knappe 2:1-Niederlage. Bosz hat einfach kein Konzept und keine Vorstellung, wie der Hebel wieder umzulegen ist. Als er zielsicher Spieler einwechselte, die zur endgültigen und faktischen Niederlage beitrugen, machte er deutlich, dass er kein Händchen besitzt und seiner Mannschaft nichts mehr zutraut. Er hat damit das falsche Zeichen gesetzt und es ist nicht das erste Mal, dass der BVB nach der Halbzeit die Luft ausgeht, eine weitere rätselhafte Seuche, geht man davon aus, dass, wie Bosz behauptet, die Mannschaft fit ist. Am Sonntag nach Redaktionsschluss gibt es eine Mitgliederversammlung, auf der Watzke und Zorc erklären müssen, was sie zu tun gedenken, um aus der Krise wieder herauszukommen. Es würde mich nicht wundern, wenn Bosz entlassen wird. Ein Bekenntnis zu ihm wie noch vor zwei Wochen gab es diesmal nach dem Spiel nicht, stattdessen verschwanden die Verantwortlich schnell und heimlich durch die Hintertür.