Die Wahrheit über den 1. Spieltag

Wenn Beckenbauer nicht wäre, müßte man ihn erfinden, denn er ist der einzige, der den Bayern bei der Erlangung der Meisterschale noch im Weg stehen könnte, weil er sich immer wieder als Heckenschütze betätigt. Ribery solle halt abhauen, wenn es ihn nach Madrid ziehe, er würde schon sehen, was er davon hätte, und bei der Analyse des 1:1 in Hoffenheim analysierte der Analytiker Beckenbauer hämisch »schülerhaftes Abwehrverhalten«. Dabei hatten die Bayern mal wieder Glück, denn der Schiedsrichter Rafati war mit ihnen, als er großzügig ein Tor für die Hoffenheimer und ein übles Foul von van Bommel übersah. Da kann man eigentlich nicht meckern, sondern sollte dankbar sein, aber Beckenbauer macht die Schmach noch schmachvoller, indem er sie öffentlich macht. Nun hat sein Spott auch die Dortmunder getroffen. Die kürte er zum Geheimfavoriten, und das ist ein schlechtes Omen, nicht nur, weil nichts Geheimes mehr dran ist, seit Beckenbauer es ausgesprochen hat, womit der »Geheimfavorit« auch sofort zum Gespött der Liga wurde, sondern auch, weil an der Geheimfavoritenrolle leider gar nichts dran ist. Mühsam war denn auch der Geheimsieg zu Hause gegen die stark ersatzgeschwächten Kölner, die sich mit zwölf Mann hinten auf die Torlinie stellten. Das Spiel fand ausschließlich in der Hälfte der Kölner ab, aber trotz des neuen Toptorjägers Barrios und trotz bester Chancen wäre die Geschichte torlos verlaufen, wenn sich die Kölner nicht erbarmt und mit einem Eigentor für einen einigermaßen gerechten Spielverlauf gesorgt hätten. »Scheiß drauf, Hauptsache gewonnen«, da war sich der geballte Sachverstand in der überfüllten Milchbar einig. Interessanter wird es da schon nächste Woche gegen den HSV, die den Dortmundern auch was entgegenzusetzen haben. Aber auch die Revier-Konkurrenz Schalke hat gepunktet. Leider, aber beim Aufsteiger Nänbärch (wie die Nürnberger ihre Stadt nennen) auch wieder keine sooo große Überraschung, vor allem, wenn Magath innerhalb von vier Jahren den Meistertitel verspricht. Überraschend am Sieg war höchstens, daß Kuranyi gleich zweimal getroffen hat. Kuranyi hat seine Trefferquote darauf zurückgeführt, daß er »mehr in Bewegung« ist. Das ist eine originelle Begründung, aber auf Schalke ist sowieso viel in Bewegung. Der »Muslim-Markt«, ein Online-Ratgeber aus Delmenhorst, hat Schalke wegen eines Liedes gerügt, das die Wächter islamischer Kultur auf der Schalke-Homepage entdeckt hatten und in dem es u.a. heißt: »Mohammed war ein Prophet, der vom Fußball nichts versteht.« Nach einem Aufruf, Schalke zu boykottieren, befinden sich die Verantwortlichen in heller Aufregung, dabei könnte man doch froh sein, wenigstens diese Deppen vom Hals zu haben. »Mit Gott auf Schalke« heißt es auf einem Transparent. Wenn es einen gäbe, bei den doofen Schalkern wäre er am besten aufgehoben. Jetzt hat der Schalke-Sprecher angekündigt, das Lied von einem Experten überprüfen zu lassen. Ich könnte den Schalkern einen Experten empfehlen: den Analytiker Franz Beckenbauer.