Die Wahrheit über den 15. Spieltag

Ein Sieg »ohne Wenn und Aber« sei Pflicht, nahm Nuri Sahin seine Mannschaft in die Pflicht, aber schon nach kurzer Zeit wurde klar, dass es jede Menge Wenn und Abers gab, und zwar soviel wie Dortmunder auf dem Platz standen. Man konnte dem Offenbarungseid einer Mannschaft zugucken, die kein Konzept hatte, keinen Mut, keine Zweikampfstärke, kein Selbstvertrauen, weshalb das nach dem Trainerwechsel und der Rückkehr Kruses wiedererstarkte Werder völlig zu Recht gewann, denn sie verstanden es, die Schwächen der Dortmunder zu nutzen. Sie konnten sich die Bälle am Sechszehner zuspielen, ohne von einem Dortmunder in Bedrängnis gebracht zu werden. Die Bremer wussten genau, was sie taten. Sie hinderten beispielsweise den schnellen Pulisic daran, überhaupt erst Fahrt aufnehmen zu können, sie waren nah am Mann und nahmen die Zweikämpfe auf, denen die Dortmunder vornehm aus dem Weg zu gehen schienen. Es bot sich das gleiche Bild wie sonst auch: Am Ende hatte der BVB stolze 68 % Ballbesitz zu verzeichnen, 725 gespielte Pässe mit einer Quote von 84 %, die Bremer hingegen spielten 344 Pässe mit einer lausigen Quote von 66 %, am Ende aber stand es 2:1 für Bremen und niemand hegte Zweifel daran, dass der Sieg in Ordnung ging. Nur die ersten zehn Minuten nach der Pause baute der BVB etwas Druck auf. Es gelang ihnen sogar der Anschlusstreffer, der mehr erzwungen als erzielt wurde, was aber in einer solchen Situation keine Rolle spielt. Und dann kam das Erstaunliche. Für die Dortmunder war der Ausgleich nicht etwa ein Aufbruchssignal, sondern ein Grund, wieder in die alte Letharie zurückzufallen und den Bremern den Platz zu überlassen, die das Angebot dankend annahmen und nach einer Ecke erneut in Führung gingen, und das, obwohl nach Verletzung von Bartels und Junuzovic zwei wichtige Bremer ausfielen. Bislang haben die Fans den Spielern trotz mauer Leistungen den Rücken gestärkt, aber diesmal verfiel auch sie in Lethargie, um nach dem Schlusspfiff den Spielern ein Pfeifkonzert zu geben. Die Verunsicherung sitzt also sehr tief, und sie geht immer tiefer, je länger Bosz als Trainer weitermachen durfte. Das hat die Vereinsführung nicht wahrhaben wollen. Jetzt aber war sie gezwungen zu handeln. Nachdem sie aus den letzten beiden Spielen einen Sieg gefordert hatte, musste sie das auch. Bosz jedenfalls würde sich ja nicht um die Abfindung bringen wollen, weshalb er weitergemacht hätte, bis die Mannschaft auf dem letzten Platz gestanden wäre. Aber es war nicht nur das unglaubwürdige Mantra, mit dem er verkündete, die Mannschaft weiterhin erreichen zu können, es stand ihm auch die Ratlosigkeit ins Gesicht geschrieben, die zeigte, dass er auch nicht mehr wusste, was er noch hätte machen können. Noch am Samstag hat sich die Vereinsführung beraten und den Mannschaftsrat (Sahin, Schmelzer und Reus) hinzugezogen. Heute um 12 Uhr verkündete man in einer kurzfristig einberaumten Pressekonferenz, dass Bosz entlassen worden war, und präsentierte gleichzeitig den neuen Trainer: Peter Stöger, der eilig aus Wien importiert worden war. Wer sich die Pressekonferenz allerdings angesehen hat, hatte anschließend nicht das Gefühl, es würde ein neuer Aufbruch stattfinden. Zu sehr wanden sich Watzke, Zorc und Stöger, dem ganzen eine positive Seite abzugewinnen, aus der Not eine Tugend zu machen. Aber klar, wie soll das auch gehen, jedenfalls kann sich niemand sicher sein, ob unter einem Trainer, der beim 1. FC Köln gerade mal drei Punkte gemacht hat, also bewiesen hat, dass auch er keinen Zugang zu seiner Mannschaft mehr herstellen konnte, wirklich alles besser wird, der also in der Lage ist, das Selbstvertrauen der Dortmunder wieder herzustellen. Auch Watzke und Zorc sind sich nicht sicher, weshalb Stöger erstmal nur bis Ende der Saison verpflichtet wird. Danach soll dann Nagelsmann verpflichtet werden. Alles keine schöne Aussichten.