Die Wahrheit über den 18. Spieltag

Die Bayern zieht wieder seine einsamen Kreise an der Tabellenspitze und niemand in weiter Sicht, der ihnen in irgendeiner Weise gefährlich werden könnte. Auch nicht die zuletzt ziemlich stark auftretenden Leverkusener, die zwar ein paar Chancen herausspielen und verdatteln durften, die aber die Überlegenheit der Münchner nie ernsthaft in Zweifel zogen, nicht einmal gegen einen Ribery, der mit 34 im Spitzenfußball schon als Dinosaurier gilt. Im Abstand von 13 Zählern tummelt ein dicht gestaffeltes Mittelfeld von neun Mannschaften, zwischen denen gerade mal 5 Zähler Unterschied liegen. Und in diesem Mittelfeld herrschen Mittelmaß und große Leistungsschwankungen. Jeder kann sich hier gegen jeden blamieren, auch gegen Mannschaften, die ganz unten stehen. So schaffen es die auf Platz 7 stehenden und um einen internationalen Wettbewerb spielenden Augsburger mal gerade mit Mühe und Not ein 1:0 gegen ein schwaches Hamburg, das jede Inspiration missen lässt und wie schon in den letzten Jahren um den Abstieg bettelt, der von den Vereinsstrukturen begünstigt wird, aber nicht sein darf. Immerhin kann man sich in Hamburg mit der Elbphilharmonie trösten. Auch mit ihr hat man Millionen in den Sand gesetzt, aber sie ist wenigstens über die nächsten Jahre ausverkauft. Das lässt vom Hamburger Sportverein nicht behaupten, und es verwundert sehr, mit welcher Langmut und großartigen Frustrationstoleranz die Hamburger dem »Tennisverein mit angeschlossener Fußballabteilung« (Harry Rowohlt) bei einem Gekicke zugucken, das man sich auch wesentlich billiger auf irgendwelchen Bolzplätzen ansehen kann. Vielleicht sollte man ein Jahr in der 2. Liga Pause machen und sich regenerieren, um so wie Hannover als Phönix aus der Asche wieder aufzusteigen und auf erstaunliche Weise zu brillieren. Gegen Mainz holte man einen 2:0-Rückstand nicht nur auf, sondern verwandelte ihn in einen Sieg, weil die Mannschaft sich einfach nicht aufgibt und immer an seine Möglichkeiten glaubt. Hier stimmt das Mannschaftsgefüge, das in Dortmund einen Knacks hat, weil man nicht mehr über die eigenen Möglichkeiten hinausgeht. Und plötzlich sieht man da eine ganz normale Mannschaft, die wie jede andere mittelmäßige Mannschaft ohne überraschende Momente die Bälle verwaltet, und der Wille, gewinnen zu wollen, zu eigenartigen Verkrampfungen führt. Bei Peter Bosh, deutete Guerreiro einmal an, hätte niemand mehr so genau gewusst, was er zu tun hatte. Ob Stöger einen Masterplan hat, der den Dortmundern den alten Schwung wieder zurückgibt und der ihnen soviel Fans zugeführt hat, mag man nicht glauben. Aber die Situation der Dortmunder ist auch nicht besonders einzigartig, auch Real Madrid leidet unter extremer Erfolgslosigkeit. Real liegt nun schon 16 Punkte hinter Barcelona und verlor das letzte Punktspiel zu Hause gegen Villarreal zwar etwas unglücklich, aber eben doch 1:0. Es hatte nichts genützt, dass Zidane versucht hatte, den ganzen Unwillen auf sich zu ziehen. Umso bitterer ist es, dass es trotz dieser Schwäche in der Liga gegen den BVB noch dicke reichte, und irgendwie ist das ziemlich deprimierend, weil das schon ein wenig über die Schwäche der deutschen Klubs auf internationaler Ebene aussagt. Aber es gibt natürlich auch kein Fairplay. ManU plant schon wieder eine »Transfer-Offensive«, Real Madrid hat angeblich 600 Millionen für Neymar geboten, Barcelona hat sich nun auch noch Liverpools Coutinho für 160 Millionen geholt. Und der BVB kriegt in diesem Konzert gerade noch einen Verteidiger aus Basel, den niemand kennt, für erstaunliche 21,6 Millionen, die damals nicht mal Reus gekostet hat.