Die Wahrheit über den 2. Spieltag

Daß der BVB in Hamburg verlieren würde, das hatte mir meine innere Stimme schon vorher verraten, und irgendwie war sie auch nicht durch die Gesänge in der Milchbar zu beruhigen, in denen man androhte, mit der Mannschaft bis zum letzten Mann zu kämpfen. Aber bereits nach den ersten Spielzügen war klar, der BVB würde an diesem Tag nicht mithalten können. Schon in der 3. Minute griff Weidenfeller bei einer Flanke daneben und verhalf dadurch Owomoyela zu einem Eigentor. Schon im Gegenzug gelang den Dortmundern der Ausgleich. In diesem Moment dachte ich, daß mich meine innere Stimme vielleicht doch getäuscht hat. Acht Minuten später dann war die Partie bereits entschieden, denn da hieß es schon 3:1. Und auch wenn der Schiedsrichter im Zweifel für den HSV entschied und das 2. Tor der Dortmunder nach Protesten Frank Rosts tatsächlich wieder aberkannte, weil der einfach mal behauptete, ein Dortmunder hätte ihm die Sicht versperrt, obwohl es an dem Schuß von Rangelov nichts zu halten gegeben hätte, und auch wenn Santana freistehend vor dem Hamburger Tor vergab, konnte man sich beim besten Willen nicht darüber hinwegtäuschen, daß es einen Klassenunterschied gab und der Beckenbauersche Titelaspirant gegen die wirkliche Konkurrenz keine Chance hat, wenn die die Leistung abruft, die in ihr steckt. Dortmund jedenfalls war in allen Belangen unterlegen, im Zweikampf, spielerisch und technisch. Nach zwei, höchstens drei Ballkontakten war der Ball weg, dann mußten die Schwarzgelben der Kugel wieder fünf Minuten hinterherhecheln, denn beim HSV war immer jemand anspielbar. Ich saß zusammengesunken in meinem Stuhl und faßte es nicht, denn ich hatte den starken Verdacht, daß Dortmund nicht nur einfach einen schlechten Tag erwischt hatte, sondern schlicht überfordert war. Weder Owomoyela noch Schmelzer hatten ihren Gegnern viel entgegenzusetzen. Zé Roberto zeigte den knapp Zwanzigjährigen mal, daß sie es mit der Dynamik eines 34-jährigen nicht aufnehmen konnten. Das einzig Positive an diesem Spiel war: Es war zumindest nicht langweilig. »Das Ergebnis ist genauso beschissen wie es sich anfühlt«, sagte der unrasierte Klopp anschließend. Er machte aus seiner Ratlosigkeit keinen Hehl. Ich schätze, daß die Dortmunder den HSV nach dessen desaströser Leistung in Freiburg einfach unterschätzt und ein bißchen zu sehr darauf vertraut haben, daß man an der Serie des letzten Jahres würde anknüpfen können. Aber da sich Dortmund im Gegensatz zu den anderen nicht verstärkt hat (Barrios bleibt bis jetzt jedenfalls den Beweis schuldig), wird Dortmund nicht mal in die Nähe eines internationalen Platzes kommen. »Damit kann man sich die Meisterschaft ja wohl abschminken«, sagte ich, aber der Witz kam nicht an. Der Schock verwandelte sich gerade in Depression. Wenigstens geht es den Bayern auch nicht besser. Nach dem mageren 1:1 zu Hause gegen Bremen haben sie gerade mal 2 Pünktchen auf dem Konto, aber im Gegensatz zum BVB ist für sie die Meisterschaft noch nicht vorbei. Obwohl ich mir das mit dem die Antispielkunst verkörpernden van Bommel nicht wirklich vorstellen kann.