Die Wahrheit über den 19. Spieltag

Aubameyang kehrt nach dem sich abzeichnenden desaströsen Verlauf der Saison dem BVB nun endgültig den Rücken und versucht, durch sein unwilliges Verhalten der Vereinsführung die Entscheidung, ihn zu Arsenal ziehen zu lassen, zu erleichtern. Das ist für den Fan nicht schön, wenn wieder einer der wirklich Guten den BVB verlässt, aber auch durchaus verständlich, denn die Mechanismen im Profigeschäft sind so, dass jeder als Vollidiot gilt, der das nicht täte und entsprechend seinem Marktwert das Maximale herauszuholen versucht. Und das ist nicht nur im Fußball so, sondern überall auf dem freien Markt. Wenn Heynckes also einen Appell gegen diese Gepflogenheiten richtet, dann ist das nicht nur naiv, sondern auch zynisch, denn er selbst hat sich diesen Marktgesetzen unterworfen, und nicht nur das, er arbeitet für einen Verein, der diesen Neoliberalismus in der Liga durch seine marktbeherrschende Position schon immer praktiziert hat. Ich erinnere mich vage daran, wie Bayern Mario Götze geholt hat, und sich dabei nicht gerade dem fair play verpflichtet fühlte. Inzwischen muss Bayern allerdings sowieso nur noch kurz zu winken und der Spieler steht sofort bereit und lässt trotz gegenteiliger Bekenntnisse, die er mal für seinen alten Verein gegeben hat, diesen im Regen stehen, wie man gerade wieder bei Goretzka beobachten kann. Wenn Heynckes also die Spieler an ihre »Verantwortung« erinnern will, so ist die wohl kaum zu trennen von der Verantwortung, die die Vereine auch nicht haben. Und weil sich das ganz öffentlich abspielt, kann jeder beobachten, dass es im internationalen Fußball eine Nahrungskette gibt, und ganz oben stehen vier, fünf englische Mannschaften, drei spanische, Paris St. Germain und Bayern. Nicht mal Juve gehört da mehr dazu, bzw. ist in die zweite Kategorie gerutscht, denn auch Turin konnte einen Pogba nicht halten. Deutlicher als sonst wird das alles nur dadurch, weil durch den Megatransfer von Neymar etwas in Rutschen geraten ist und fast alle Vereine durch absurde Magedeals sich möglichst weit oben in der Hierarchie behaupten wollen, wo die wirklich großen Summen generiert oder verbrannt werden, denn der Fußball ist immer noch ein Spekulationsgeschäft. Wenn Heynckes also von »Verantwortung« schwafelt und dafür auch noch gelobt und bewundert wird als moralisch integere Person, so könnte man vielleicht glauben, er sei ein bisschen dumm, in Wirklichkeit aber gehört das einfach zum Geschäft, Heynckes suggeriert durch seine Kritik, dass es so etwas wie Fairness im Fußballgeschäft noch gebe, und das in der einer Zeit, in der die Financial Fairplay-Richtlinien der Uefa noch nie so unterlaufen wurden wie in Zeiten der großen Tranfers. Natürlich schreibe ich das nur, weil es über den BVB nichts gutes zu berichten gibt, außer dass sich nun auch noch Schürrle zu Wort gemeldet hat, der das Verhalten Aubameyangs kritisiert, obwohl er gemessen an seinem geringen Talent nicht nur einer der größten Transferabsahner gewesen ist, sondern auch als Nutznießer der Aubameyangschen Lustlosigkeit seine fußballerische Unfähigkeit unter Beweis stellen darf, wie gerade eben in Berlin, wo er sehr engagiert über den Platz hastete, ohne dass ihm etwas gelungen wäre. Es ist bitter, dass der BVB alle seine wirklich guten Spieler verloren hat und sich nun offenbart, dass der Rest gerade mal gut genug ist, um im oberen Drittel herumzukrebsen, weil es ihm nicht einmal mehr gelingt, gegen mittelmäßige Mannschaften wie Hertha mehr zustande zu bringen als ein uninspiriertes Gekicke und ein unansehnliches Unentschieden. Es tröstet dabei nicht wirklich, dass die Konkurrenz auch nicht viel besser ist.