Die Wahrheit über den 20. Spieltag

So, wie der BVB z.Z. spielt, muss man seine Erwartungen erheblich herunterschrauben, was nicht leicht fällt, wenn man an den Anfang der Saison denkt, als es mit spielerischer Leichtigkeit gelang, hohe Siege einzufahren und sogar kurzfristig mit fünf Punkten Vorsprung auf Platz eins zu stehen. Aber selbst in dieser Phase musste sich Dortmund mit einem Unentschieden in Freiburg zufriedengeben, ein Ergebnis, das durch die folgenden ein wenig unter den Tisch fiel. Jetzt wäre der Zeitpunkt gekommen, sich am Lieblingsgegner wieder aufzurichten, denn das letzte Mal, dass Freiburg in Dortmund Punkte holte war 2002. Andererseits sind die Freiburger nicht umsonst seit sieben Spieltagen ohne Niederlage. Und das Spiel gegen Hertha noch in frischer Erinnerung war klar, dass ein Unentschieden mehr als wahrscheinlich sein würde. Dann jedoch befand sich Aubameyang in der Startelf, mit seinem wahrscheinlich letzten Spiel vor heimischer Kulisse und sofort hatte man das Gefühl, dass er sich mit einer Glanzleistung verabschieden wollte, und wahrscheinlich war das auch sein Plan, aber mit den uninspiriert auftretenden Mannschaftskollegen, war der schnell Makulatur. Nils Petersen stehl ihm die Show. Er allein brachte die Dortmunder Abwehr ein ums andere Mal in Verlegenheit. Zwang sie zu Rückpässen, und das mit Erfolg, denn als Sahin, der es nicht schaffte, dem Spiel so etwas wie eine Struktur zu verleihen, angelaufen von Petersen zurückspielen wollte, blockte Petersen den Pass und hob den Ball mit einem 30-Meter-Schuss über Bürki zum 2:1. Dabei hatte es so gut angefangen, als Dortmund Druck machte und ein Abpraller Kagawa vor die Füße fiel, der mit einem Seitenfallzieher ästhetisch einwandfrei verwandelte. Freiburg ließ sich aber nicht beeindrucken. Haberer wurde mit einem Steilpass zur Grundlinie geschickt, während Sahin nur gemächlich hinterhertrottete. Ein scharfer Pass in den 5-Meter-Raum verwandelte Petersen zum Ausgleich, umringt von gleich drei Dortmundern, die interessiert zuguckten. Ich beschreibe das Zustandekommen der Freiburger Tore deshalb, um zu zeigen, wie dilettantisch die Abwehr immer noch zu Werke geht, während der underdog in jeden Zweikampf geht, auch wenn die Aussichten schlecht sind. Fast alle statistischen Werte sprachen für Dortmund und dennoch war die Körpersprache bei den beiden Mannschaft völlig unterschiedlich. Leidenschaft bei den Freiburger, Halbherzigkeit bei den Dortmundern, Risiko gegen einfallslose Sicherheitspässe. Den ganz anderen BVB, den Stöger in der Winterpause angekündigt hat, sucht man vergeblich. Gegen kompakt stehende Mannschaften, die als Kollektiv auftreten und nicht mal einen genialen Spieler benötigen, hat Dortmund nur bescheidene Chancen. Am Ende hatten die Schwarzgelben dann sogar noch unverschämtes Glück, denn in der Nachspielzeit schoss Toljan einen ihm vor die Füße flippernden Ball durch die Beine von gleich Freiburgern ins Tor. Dortmund hätte eigentlich nicht gewinnen dürfen, denn die beiden Tore kamen durch Zufall zustande, die beiden Freiburger Tore hingegen waren geplant und so gewollt. Als nächstes geht es nach Köln, gegen die der BVB kaum eine Chance haben wird, denn noch mehr als gegen Freiburg hat man es hier mit einem leidenschaftlich kämpfenden Gegner zu tun. Und diesem Konzept hat Dortmund z.Z. nichts entgegenzusetzen.