Die Wahrheit über den 4. Spieltag

Ein knappes Jahr ist es gerade mal her, da überrannte der BVB die Eintracht und landete mit 4:0 seinen höchsten Saisonsieg. Ein schöner Tag, vor allem, wenn man ihn im Stadion verbringen konnte. Vorbei! Irgendwie kommen die Dortmunder nicht aus dem Quark. War das 1:0 gegen Köln schon mühsam, die Niederlage in Hamburg eine Ohrfeige und das Unentschieden gegen Stuttgart ein Gewürge, so hatten die Dortmunder in Frankfurt ein Schweineglück. Amanaditis wurde ein regulärer Treffer aberkannt, einen eindeutigen Elfer kriegten die Frankfurter auch nicht, und zu diesem ganzen Unglück kam auch noch Pech dazu, als Maier in der 90. Minute an die Latte köpfte. Bei den Dortmundern hingegen durfte Klopps Liebling Zidan wieder Chancen versieben, eine Tätigkeit, in der er großes Talent besitzt, obwohl ihm durch Zufall der Führungstreffer gelungen ist. Nach der lächerlichen Leistung machten sich die Dortmunder Profis noch lächerlicher, als herauskam, daß sie gerade damit beschäftigt sind, eine Meisterschaftsprämie auszuhandeln, weil einige den Scherz von Beckenbauer offensichtlich für bare Münze genommen haben. »Anscheinend hat sich bei uns die Einstellung eingeschlichen, dass alles von alleine läuft«, sagte Zorc, verriet aber nicht, auf welche Annahme diese Einstellung beruht, denn keine der bislang gezeigten Leistungen kann jemanden dazu veranlassen zu glauben, alles liefe wie geschmiert. Was er mit dieser Platitüde verriet war, daß er selber gerne davon ausgegangen ist, daß alles so weiter läuft wie am Ende der letzten Saison. Kaum hat also die neue begonnen, steckt Dortmund auch schon im Mittelfeld fest ohne Aussicht, da so schnell wieder herauszukommen, denn als nächstes droht Bayern München, die ihre Minikrise dadurch gelöst haben, indem sie noch einmal shoppen gingen. Der von Real ausgemusterte Robben wurde denn auch gleich eingesetzt und nutzte die Räume, die ihm die Wolfsburger boten, zu einem Gala-Auftritt. Fast sah es so aus, als ob der Druck, den die Bayern nach der Niederlage in Mainz hatten, die Wolfsburger mehr belastete als die Münchner, denn es war jedem klar, daß die Bayern auftrumpfen würden. Wann, wenn nicht an diesem Tag, sollten sie sonst ihrer Favoritenrolle gerecht werden. Wenn jetzt auch noch Ribery bleibt, dann werden sich auch der HSV und Leverkusen, die sich beide in exzellenter Frühform befinden, schwer tun mitzuhalten. Erfreulich war da nur die Heimniederlage der Schalker gegen Freiburg. Nicht zum ersten Mal wird Magath es schwer bereut haben, den maroden Verein übernommen zu haben, der jetzt auch noch in erheblichen Finanznöten steckt und offenbar darauf angewiesen ist, daß Bayern 10 Millionen für Rafinha locker macht. Das ist fast so wie vor Bekanntwerden des von Niebaum gebuddelten Millionenlochs, als Dortmund Frings an die Bayern verkaufen mußte, um überhaupt noch die Spielergehälter bezahlen zu können. In München dagegen scheint die Millionenquelle trotz Grise zu sprudeln. 74,7 Millionen haben sie bislang für Spieler ausgegeben. Nicht billig, die Meisterschaft.