Die Wahrheit über den 5. Spieltag

»Na, das wird morgen ne Blutgrätsche geben«, sagte ein BVB-Fan, der in einem BVB-Shirt steckte, nach dem Spiel zu mir, als ich am Tresen des Intertank meine Getränke bezahlen wollte. Diesmal stehe ich also schwer unter Druck, und es sollte mir schleunigst was Originelles einfallen. Da ging es mir wie den Dortmundern, die nach ziemlich durchwachsenem Saisonstart endlich mal beweisen wollen, daß sie mehr drauf haben als unteres Mittelfeld. Hoffnungen machte ich mir nicht, nachdem bei den Bayern gegen Wolfsburg der Knoten geplatzt ist, aber nach den furiosen ersten zwanzig Minuten, in denen die Dortmunder die Bayern an die Wand spielten und dabei sogar ein Tor heraus sprang, wären selbst bei noch größeren Skeptikern als mich erste zarte Hoffnungsknospen aufgegangen. In dieser Phase zeigte nur Zidan, worin der entscheidende Unterschied zu den Bayern besteht, als er zwar Butt umkurvte, ihn vor dem leeren Tor die Versagensangst am Schlawittchen packte. Dann allerdings nahm das Desaster seinen Lauf. Und dafür sorgte der Schiedsrichter, der dem Fiesling Schweinsteiger nicht mal gelb gab, als der seinem Namen alle Ehre machte und wie ein Schwein auf dem Knie von Tinga herumstieg, unabsichtlich, wie er nach dem Spiel sagte, während die Bilder das Gegenteil offenbarten. Statt aber für diese Lüge sofort in Hoeneß Wurstfabrik notgeschlachtet zu werden, durfte er weiter spielen. Die zweite üble Fehlentscheidung des Schiedsrichters bestand im übersehenen Abseits von Gomez bei dessen Kopfball zum 1:1. Und dann kam die 2. Halbzeit und es verzahnten sich Pech, Verunsicherung und Unvermögen der Dortmunder ineinander mit der Präzision eines Schweizer Kuckucksuhrwerks. Weidenfeller patzte gleich zweimal und machte darauf aufmerksam, daß nicht Bayern, sondern Dortmund ein Torwartproblem hat, vor allem als es ihm sogar gelang, einem Ball auszuweichen, der direkt auf ihn abgeschossen worden war. Da paßte dann noch der Glücksschuß von Thomas Müller unter die Latte. Wenn Bayern noch gegen Mainz nichts von alledem glückte, gegen Dortmund klappte auf deprimierende Weise alles. Dennoch, es könnte eine ziemlich vergeigte Saison für den BVB werden, was auch daher rührt, daß man sich nicht wirklich verstärkt hat, eher sogar geschwächt, denn Barrios blieb bislang den Beweis schuldig, ein geeigneter Ersatz für Frei zu sein. Aber was soll‘s. Alles nicht so schlimm, denn wenigstens hat der BVB nicht so einen Benimm-Faschisten wie Van Chaal am Hacken, der die Spieler in der Reihenfolge ihres Erscheinens am Tisch Platz nehmen läßt, so daß er sieht, wer zuerst und wer zuletzt eintrudelt. Als er nach dem Freistoßtor von Ribéry von selbigem angesprungen wurde, um öffentlich zu signalisieren, daß nichts an den Dissensgerüchten dran ist, sah das eher nach Tätlichkeit als nach Versöhnung aus, als ob Ribéry damit sagen wollte: Hier du Arschloch, ich schieße auch dann meine Tore, wenn du mich nur noch einwechselst. Und das wiederum ist irgendwie der Vorteil beim BVB: Man muß sich solche unwürdigen Augenblicke nicht allzuoft ansehen.