Die Wahrheit über den 24. Spieltag

Die Remis-Könige aus Wolfsburg haben nicht nur Martin Schmidt zerschlissen, sie sind auch unter dem neuem Mann, dem Spezialisten für die Rettung vor dem Abstieg Bruno Labbadia, ihrem Konzept treu geblieben: Nähre dich redlich und nimm besser einen Punkt mit als gar keinen. In Wolfsburg wird ein Beamtenfußball zelebriert, der nur gedeihen kann, wenn er künstlich hochgepäppelt wird wie in der VW-Stadt, wo die größte Attraktion der Bahnhof ist, um schnell woanders hinzukommen. Bruno Labbadia soll nun die Leidenschaft zurückbringen, die es da nie gegeben hat. Der Mann, der bald alle Erstligisten durch hat, wird aber auch in Wolfsburg scheitern. Er wird den Klassenerhalt nur deshalb schaffen, weil es mit Hamburg und Köln zwei Vereine gibt, die es noch eiliger haben, in die Bedeutungslosigkeit abzutauchen. Auch Hamburg hat mit Hollerbach bereits einen Trainer engagiert, den nicht mal die Vereine in der 2. Liga haben wollen, aber synonym für Kampf und Krampf steht, also genau das, was den HSV-Vereinsbossen bei ihren Spielern fehlt, weil sie glauben, nur damit bestehen zu können. In Bremen traf der »Dino« auf den Abstiegskonkurrenten, und entsprechend ansehnlich war auch das Spiel. Hollerbach hatte hinten Beton angerührt und ließ den genialen Kruse aus dem Spiel nehmen. Folge war, dass nach vorne so gut wie gar nichts stattfand, weshalb in der ersten Halbzeit die HSV-Fans mit Pyrotechnik die Initiative übernahmen, damit wenigstens ein bisschen was passierte. Zweimal unterbrach der Schiedsrichter das Spiel, und das waren auch schon die Höhepunkte der ersten Halbzeit. Belohnt wurde das Engagement der Fans nicht, denn irgendwann zahlte sich dann doch der größere Wille der Bremer aus, gewinnen zu wollen, der sich ziemlich deutlich in der Statistik ausdrückte: Von 526 Pässen kamen 104 nicht an, die Hamburger spielten 107 Fehlpässe, allerdings bei nur insgesamt 290 Abspielen, was eine ziemlich grottige Passquote von 63% ergibt. Und deshalb ist es mehr als gerecht, als den Bremern in der 86. Minute nach einem wilden Gestochere der entscheidende Treffer gelang. Hollerbach ist nicht zu beneiden, denn nach den letzten Saisons, in denen der HSV immer nur im allerletzten Moment den Hals aus der Schlinge zog, sieht aktuell nichts danach aus, als ob man das rettende Ufer noch irgendwie erreichen würde. Schade wärs nicht wirklich um den Verein, schließlich hat Hamburg doch mit St. Pauli schon einen Fußballverein. Zu was braucht man da noch den HSV? Auch die anderen Spiele waren eher zum Abwinken. Nicht mal Bayern hatte diesmal Lust, seinen eigenen Rekord von 14 Siegen hintereinander zu brechen. Hingegen schaffte Hertha einen neuen Rekord, der darin bestand, in drei aufeinanderfolgenden Auswärtsspielen zu Null gespielt zu haben. Und so jagt ein Rekord den anderen, was allerdings nicht darüber hinwegtäuscht, dass Bayern kein Rezept fand, den Herthaner Abwehrriegel zu knacken, der sich vor allem auf Lewandowsi konzentrierte, weil es sich sogar bis zum Fuchs Dardai herumgesprochen hatte, dass der in sieben oder noch mehr Heimspielen in Folge (noch irgendein Rekord) getroffen hatte. Das hieß allerdings auch, dass Heynckes auf einen Torhüter hätte verzichten können. Aber was solls, einen Punkt aus München entführt. Das ist nicht schlecht, obwohl Hertha das bei anderen Mannschaften einfacher hätten haben können.