Die Wahrheit über den 26. Spieltag

So langsam macht man sich in Dortmund Sorgen. Als nach dem furiosen Anfangsstart der Knacks kam, dachte man noch an eine vorübergehende schlechte Phase, die jede Mannschaft mal hat, aber mit dem Rausschmiss von Bosz wurde die Sache unter Stöger nicht besser, aber immerhin wurde hin und wieder mal gewonnen, und das hatte man unter Bosz lange nicht mehr. Die Spielweise wurde etwas defensiver, man rannte nicht mehr so häufig ins Messer, aber unter dem Sicherheitsfußball wurde das Spiel nicht attraktiver. Seither kann man sich die Spiele der Dortmunder nur ansehen, wenn man eine gewisse Nervenstärke besitzt oder immun ist gegen Langeweile. Nach ein paar zähen Siegen und nicht minder zähen Remis gegen Vereine, die nicht gerade zur Creme de la Creme des deutschen Fußballs zählen, hat man im Achtelfinale der Euroleague gegen Salzburg gezeigt, dass man für einen der erfolglosesten Vereine im internationalen Fußball ein Herz hat und dass man offenbar gewillt ist, ihm in dieser Kategorie den Rang abzulaufen. Und das, obwohl die Mannschaft in Bestbesetzung auflaufen konnte, wenn man einmal von Schürrle absieht, der mit seinem Gestochere und Ballverluste immer wieder dafür sorgt, dass die Hintermanschaft in die Bredouille kommt, weshalb niemand weiß, wie Stöger auf die absurde Idee kommt, ihn für einen Stammspieler zu halten. Aber Stöger hat sowieso keine Idee, wie der Abstieg der Mannschaft in die Mittelmäßigkeit aufzuhalten ist, denn er hat keine Idee, die im Spiel der Dortmunder irgendwie erkennbar wäre. Gegen Mannschaften jedenfalls, die wenigstens alles geben, wenn sie schon technisch minderbemittelt sind, die jedem Ball hinterherlaufen und die sich sofort auf den Ballbesitzenden stürzen, die also den Gegner auf das chaotische Niveau ihrer Möglichkeiten herabziehen, verzagen die Dortmunder. Als allgemeiner Trend wird es in der Tabelle also nach unten gehen, denn gegen die Mannschaften, die um die CL-Plätze mitmischen, haben sie einfach nicht die Mittel mehr herauszuholen als ein Remis, auch wenn diese Mannschaften auch nicht gerade konstant oder aufregend spielen. Immerhin hat Schalke mit einem knappen 1:0 in Mainz die Pole Position hinter Bayern (mit einem Sicherheitsabstand von 20 Punkten) übernommen. Auch Bayer hat im Derby gegen Gladbach gewonnen und ist den CL-Plätzen näher gekommen. Mit weiteren Remis wird der BVB da nicht weiter kommen. Sieht man dagegen in die Premierleague, dann kann man wenigstens richtigen Fußball gucken und wird nicht ständig mit Unfähigkeit konfrontiert. Auch wenn Liverpool im Kampf um Platz zwei gegen ManU verloren hat, konnte man zumindest den unbändigen Willen der Mannschaft erkennen, den Gegner niederzuringen. Das war ein Spiel auf höchsten Niveau, ein Spiel, das Spaß machte, mit Torraumszenen, Chancen, dramatischen Zweikämpfen, eben alles, was ein Spiel bieten muss, um attraktiv für den Zuschauer zu sein. Das wird es hierzulande aber immer weniger. In Dortmund, in dem in den vergangenen Jahren kaum ein Spiel nicht ausverkauft war, kriegt man jetzt wieder Karten. In anderen Stadien gähnen einen immer wieder leere Ränge an. Und das liegt nicht nur am schlechten Fußball, der einem zu überteuerten Preisen angeboten wird, sondern auch an der mangelnden Spannung, denn nicht nur der Meister, sondern auch die Absteiger stehen längst fest.