Die Wahrheit über den 27. Spieltag

Wenn eine Mannschaft in einem ansonsten langweiligen Spiel mit wenig Torraumszenen und noch weniger Chancen zuerst einen Elfmeter verschießt und anschließend ein Eigentor zur 1:0-Niederlage fabriziert, dann handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um Wolfsburg, die gegen Mainz um den Relegationsplatz kämpfen. Wenn der glückliche Sieger aber Schalke heißt, die mit diesem Sieg Platz 2 festigt, dann kann man ersehen, dass nicht Können, Souveränität, Spielvermögen entscheidend sind, sondern Zufall die größte Rolle im Kampf um die CL-Plätze spielt, denn die anderen Mannschaften, die da oben herummurksen, sind auch nicht besser, auch sie tun sich schwer, Spiele zu gewinnen, und man hat immer das Gefühl, als ob ein Zufallsgenerator darüber entscheidet, wer welche Spiele gewinnt oder verliert. Auch der HSV hat nach einer stalinistischen Säuberungswelle und neuem Trainer, dessen Namen man sich vermutlich gar nicht merken muss, weil er ganz schnell wieder entlassen wird, noch einmal alles probiert und kam mit einer jungen Mannschaft und einer Spielidee auf das Feld, und sogar optimistische Fans gab es, die die Mannschaft gegen Hertha unterstützten, was sich die eher stumpfen Hertha-Fans jedoch nicht gefallen ließen, weshalb es zu einigen Rangeleien kam. Der HSV war tatsächlich überlegen und erzielte nach einer sehenswerten Kombination sogar das 1:0, aber dann kam die 2. Halbzeit und plötzlich setzte sich in den Köpfen der Hamburger die Idee fest, den Vorsprung verteidigen zu müssen. Sie ließen die Berliner besser ins Spiel kommen und gaben damit selbiges aus der Hand. 2:1 stand es am Ende für die Berliner und damit zementierten die Hamburger ihren Anspruch auf die 2. Liga, während einer der aussortierten Spieler Papadopoulos sich bei den Reportern darüber beschwerte, dass er nicht spielen durfte, womit er ganz wesentlich etwas zum Mannschaftsklima beitrug. Zum Glück muss der BVB nicht gegen einen abstiegsbedrohten Verein spielen, die alles in die Waagschale werfen, denn gegen solche Gegner hat die Mannschaft echte Probleme, wie man beim Ausscheiden aus der Euroleague gegen Salzburg sehen konnte. Kaum tritt den Dortmunder Spielern jemand auf die Zehen, verunsichert man sie, denn spielen und brillieren können sie nur, wenn der Gegner einen Sicherheitsabstand einhält, ihnen quasi Raum für die Inspiration lässt. Deshalb will kaum jemand der BVB-Fans, dass der Verein mit Stöger verlängert, denn auch wenn Dortmund unter ihm noch kein Spiel verloren hat (dafür allerdings reichlich Remis), ist die Spielweise eher unterirdisch, so dass sich nicht mal Mannschaften, die gegen den Abstieg spielen, fürchten, gegen den BVB anzutreten. Nur die Eintracht stach unter dem Mittelmaß ein bisschen heraus und erledigte seinen Job souverän, allerdings gegen völlig indisponierte Mainzer, gegen die jede andere Mannschaft an diesem Tag auch gewonnen hätte, weshalb der Sieg kein stichhaltiges Indiz für einen der internationalen Plätze ist. Immerhin haben sich die Bremer mit einem starken Auftritt in Augsburg und einen 3:1-Sieg von den Abstiegsplätzen weiter distanziert und haben jetzt Anschluss an das große Mittelfeld gefunden, von dem es dann auch nicht mehr weit zu einem der internationalen Plätze ist, von denen sie gerade mal sieben Punkte entfernt sind, weshalb die bei noch sieben Spielen und 21 zu vergebenden Punkten noch durchaus erreichbar sind.