Die Wahrheit über den 6. Spieltag

»Nimm doch endlich das Bügeleisen aus deinen Latschen raus!« brüllte eine Stimme irgendwo in der Milchbar als Hajnal wieder einmal einen Paß in die Tiefe des leeren Raumes spielte. Nach den erlittenen 90 Minuten war ich mir so ziemlich mit allen einig, daß das Spiel der Dortmunder ähnlich rumpelte wie zu Doll-Zeiten, daß die Fehlpaßquote sich sehen lassen konnte und das Spiel hektisch, zerfahren und unattraktiv war. Zorc hingegen meinte, die erste Halbzeit wäre nicht schlecht gewesen, und wenn einer hingehört hatte, dann winkte er müde ab. Zorcs Kompetenz in Fußballdingen wird sowieso nicht hoch eingeschätzt, jedenfalls ist er bis heute den Nachweis schuldig geblieben, die richtigen Spieler zu verpflichten, und das liegt nicht nur am fehlenden Geld. Aber auch Klopp versuchte seine »Jungs« in Schutz zu nehmen. Das kann man verstehen, denn nach dem schlechtesten Start seit 21 Jahren, wäre es nicht besonders schlau, die Spieler zur Schnecke zu machen, aber es läßt sich schon erkennen, daß trotz großer Anstrengungen das Spielverständnis füreinander fehlt wie überhaupt die spielerischen Mittel. Klopp versucht das auszugleichen mit Pressing und großem Laufpensum, den Mitteln mittelmäßiger Mannschaften, und wenn es dann gegen Mannschaften mit der gleichen Philosophie und Beschränkung geht wie Hannover, dann kann man eine nicht sonderlich schöne Pattsituation beobachten, hohe Bälle, die hin- und herfliegen, Ballstafetten, die spätestens nach dem dritten Abspiel vorbei sind, ein Spiel jedenfalls, in dem niemand zur Form findet, die in besseren Zeiten in ihm steckt. Da stellt sich die Frage, wie Dortmund in einer Woche gegen Schalke bestehen soll, denn auch Schalke steht nach der Niederlage gegen Wolfsburg unter Druck. Ein Sieg und alles wäre wieder gut, und deshalb wird es wahrscheinlich ein fürchterliches Gegurke geben, wenn ich mal ein bißchen hellsehen darf. Wenigstens sind die Fans des BVB nicht so bescheuert wie die von Schalke, die vor einer Woche noch Rafinha wegen eines unbestätigten Wechselgerüchts auspfiffen, oder wie die von Bochum, die nach der Heimpleite gegen Mainz Marcel Koller absägen wollen, einen der sympathischen Trainer im Gewerbe. Im übrigen geht es manchen Vereinen noch schlechter als Dortmund. Stuttgart spielt immerhin in der CL, hat nur 5 Punkte auf dem Konto und machte sich zu Hause gegen Köln lächerlich, allen voran Lehmann, der sich als Mittelfeldspieler versuchte, sodaß Sanou nur ins leere Tor zu schießen brauchte. Jetzt will Babbel den VfB »an den Haaren aus dem Schopf ziehen«. Experten gehen davon aus, daß es ihm nicht gelingt. In Hoffenheim hingegen ist die Tormaschine wieder geölt und angelaufen, da kann der Rest der Liga und Dortmund sowieso schon mal einpacken. In München gedachte Hoeneß vor dem Spiel dem vor einer Woche von Jugendlichen zu Tode geschlagenen Dominik Brunner. U.a. sagte er: »Wir alle können in derartige Situationen kommen, und dann wären wir froh, wenn jemand wie Dominik Brunner helfen würde.« Vor allem jetzt, nach Eröffnung des Oktoberfests, der Ausbildungsstätte für jugendliche Schläger.