Die Wahrheit über den 30. Spieltag

Als Rummenigge über die Details beim Trainerwechsel von Kovac von Frankfurt zu den Bayern gefragt wurde, hörte sich der nur pflichtgemäß optimistisch an. Eigentlich wollten die Bayern Tuchel verpflichten, zu dem Rummenigge, wie er sagte, schon immer ein gutes Verhältnis gehabt habe, wie überhaupt in der Branche jeder mit jedem gut befreundet ist, und deshalb tritt Kovac in der nächsten Saison seinen Job zunächst einmal als Notnagel an. Rummenigge tröstete sich damit, dass Kovac schon mal bei Bayern gespielt habe und deshalb die Vereinsstrukturen kenne, d.h. er weiß, wer die Platzhirsche sind und wo der Hammer hängt. Kovac hatte eine Ausstiegsklausel im Vertrag und natürlich wussten die Bayern davon, und sie wussten, wie billig der Mann zu haben sein würde, denn mit der Eintracht im oberen Mittelfeld mitzuspielen, mag für manche zwar erstaunlich sein, aber ein richtiger Leistungsnachweis ist es eigentlich nicht. Zudem sind bei den Bayern andere Fähigkeiten gefragt als aus einer mittelmäßigen Mannschaft eine etwas bessere mittelmäßige Mannschaft zu formen. Auch wenn in Frankfurt eine hohe Fluktuation herrscht, weil der Eintracht die guten Spieler immer weggekauft wurden, hat Kovac das gut kompensieren können, was man als Trainer allerdings auch können muss, denn mit diesem Problem sind alle Vereine konfrontiert. Natürlich ist es für jeden Trainer attraktiv, wenn man die restliche Liga als Shopping-Center benutzen kann, dennoch heißt das alles noch lange nicht, dass es mit den Bayern und Kovac klappt. Und dass es nicht klappt, ist die einzige schwache Hoffnung der anderen Vereine, dass den Bayern vielleicht nicht der siebte Durchmarsch gelingt. Aber wenn es nicht gelingt, kann man immer noch Heynckes aus der Gruft holen. Interessanter wird sein, wer in Dortmund den uninspirierten Stöger ablösen wird, der an der Seitenlinie so depressiv und leidenschaftslos herumsteht wie seine Spieler auf dem Platz agieren. Wer die ersten dreißig Minuten des letzten Spiels zu Hause gegen Stuttgart gesehen hat, war schockiert über den sagenhaften Rumpelfußball, den man da geboten bekam, bevor Pulisic durch einen Zufallstreffer das 1:0 gelang. Bei dieser Spielweise kann man kaum fassen, dass der BVB immer noch auf Platz 3 steht, denn Leverkusen, Hoffenheim, die Eintracht und Leipzig spielen viel besseren und ansehnlicheren Fußball. Vor allem die Leverkusener, die zu Hause gegen Frankfurt souverän und mit blitzsauberem Konterfußball 4:1 gewannen, was man in München wahrscheinlich mit einem Stirnrunzeln registriert haben wird, haben spielerisch wenigstens etwas zu bieten. Das wird gegen die Bayern zwar nicht ausreichen, wenn die beiden Mannschaften am Dienstag im Pokalhalbfinale aufeinander treffen, aber immerhin scheint Heiko Herrlich den Spielern Selbstvertrauen vermitteln können, was den Dortmundern völlig fehlt. Ebenso den Gladbachern, die sich in München mit 5:1 fast so blamabel abfertigen ließen wie Dortmund. Köln und Hamburg, die am letzten Spieltag nochmal kurz Morgenluft wittern durften, wurden in Hoffenheim und in Berlin wieder auf Normalmaß zurechtgestutzt. Rechnerisch ist der Relegationsplatz zwar noch drin, aber da müsste schon ein Wunder passieren. Und Wunder in der Liga gibt es keine mehr, seitdem die Bayern keine Wunder mehr zulassen, weshalb auch der Zauber des Fußballs verloren gegangen ist.