Die Wahrheit über den 7. Spieltag

Wenn man nicht mindestens eine Stunde vor Spielbeginn des Revier-Derbys eine der einschlägigen BVB-Kneipen angesteuert hat, kriegt man nur noch einen Stehplatz, der immerhin den Vorteil bietet, daß man nicht umkippen kann, weil kein Platz zum Umkippen da ist. Über 40 Prozent hatten auf Sieg für den BVB getippt. Weshalb war mir schleierhaft. Wahrscheinlich, weil der BVB die meisten Anhänger hat, und die tippen nun mal aus Solidarität auf den BVB und nicht, weil man den Schwarzgelben wirklich eine Siegeschance einräumen würde. Wie so häufig waren die Schwarzgelben in der ersten halben Stunde überlegen. In dieser versiebte Barrios eine hundertprozentige, ein paar kleinere Chancen ließ man ebenfalls großzügig aus, ein regulärer Treffer wurde nicht anerkannt und ein eindeutiger Elfer nicht gegeben. Schalke hingegen genügte ein Konter, um einen Treffer zu erzielen, der erstaunlicherweise anerkannt wurde, obwohl Farfan dabei Schmelzer aus dem Weg räumte. In der 2. Hälfte war Dortmund wie immer bemüht, aber ohne Mittel gegen eine von Magath auf Disziplin getrimmte Elf, die zudem alle Register in der Kunst des theatralischen Fallens und Lamentierens zog. Und auf jede noch so windige Nummer fiel Deutschlands Schiedsrichter Nummero Uno, Herr Wolfgang Stark, herein. Man kann nicht behaupten, Schalke sei einfach zu stark gewesen, vielmehr mußte Magath jede Menge neue junge Spieler integrieren. Nein, Dortmund ist z.Z. einfach nicht in der Lage, eine mittelmäßige Mannschaft zu schlagen, und nichts anderes ist Schalke. Zumindest bekam Schalke diesmal nicht die Flatter wie bei der 3:0-Führung im letzten Derby, als der BVB das Blatt noch zu einem Remis wenden konnte. Aber da hatte man ja auch noch einen Frei und nicht bloß einen redlich bemühten Barrios, einen vor allem durch seine dämliche Frisur auffälligen Großkreutz, einen Hajnal, der völlig von der Rolle ist, einen Zidan, an dem sich auch schwache Verteidigungslinien aufrichten können, einen wühlenden Valdez, der außer Zufallstreffer kaum was zustande bringt… Okay, ich halte ja schon meine Klappe, aber irgendwie muß man sich ja ein wenig abreagieren, wenn einfach nichts klappt und eine verfehlte Einkaufspolitik das ihre dazutut, um am Tabellenende herumzukrebsen. Und als fiese Gewinner entpuppten sich die Schalker auch noch, als Manuel Neuer nach dem Spiel vor der Südtribüne den Affen machte und Großkreutz auf die Schnelle mit dem Ellbogen noch eine mitgab, statt sich einfach nur über drei unverdiente und vom Schiedsrichter zugeschanzte Punkte zu freuen. »Das muß ein anderer Manuel Neuer gewesen sein«, leugnete er trotz mehrerer zehntausend Zeugen, womit er bestätigte, daß ein Muttersöhnchen, der den Babyspeck im Gesicht noch nicht losgeworden ist, nicht nur eine multiple Persönlichkeit haben kann, sondern auch einen asozialen Charakter. Nicht mal die Niederlage der Bayern in Hamburg konnte mich wieder aufrichten, weil der HSV als Meister auch nichts ist, worüber ich aus dem Häuschen geraten könnte. Das entscheidende Tor schoß Petric, eine ehemaliger Dortmunder, die Vorarbeit leistete Zé Roberto, der von den Bayern keinen Zweijahresvertrag bekommen hatte. Das könnte den Bayern vielleicht noch teuer zu stehen kommen.