Die Wahrheit über den 18. Spieltag

Es sieht nicht gut aus. Die Bayern, Bayer und der HSV marschieren ohne große Probleme vorne weg, keiner erlaubte sich einen kleinen Ausrutscher. Die Bayern hatten dabei wie immer jede Menge Glück, weil der Gegner Hoffenheim stark ersatzgeschwächt in München antreten mußte und sowieso der Wurm in der Hopp-Mannschaft drin ist, denn mit zwei Punkten aus fünf Spielen lassen sich schlecht Hoffnungen auf einen internationalen Tabellenplatz nähren. Aber wie so häufig nach einem starken Eindruck, den Hoffenheim in der ersten Bundesligasaison ja hinterließ, haben die Spieler geglaubt, sie würden automatisch ganz oben wieder mitspielen, dabei vergessend, daß die Karten immer wieder neu gemischt werden und auch das Können grandioser Spieler wie Eduardo verpufft, wenn die Mannschaft nicht zu einer Einheit findet. Dennoch ist den Hoffenheimern noch eine Menge zuzutrauen, und was, das durfte man phasenweise im Spiel gegen die Bayern bewundern, mehr jedenfalls als den Chemie-Jungs von Bayer, die sich gegen Mainz so leicht auch wieder nicht taten, wie die Presse tut, denn die wünscht sich endlich einen neuen Meister, der Bayer und nicht Bayern heißen soll, dabei besteht der Unterschied in nicht mehr als dem n, das für nervtötend stehen könnte. Immer noch glaube ich fest an den Absturz nach dem Höhenflug, der so hoch auch wieder nicht ist. Werder Bremen hingegen hat seinen ersten Auftritt gründlich verpatzt. Nicht daß ich Frankfurt die Punkte nicht gönnen würde, und in diesem Fall und ganz ausnahmsweise bin ich auch froh über den Eintracht-Sieg, weil Bremen z.Z. im Kampf um Platz fünf ein direkter Konkurrent von Dortmund ist, dennoch hätte ich die Bremer lieber oben mitspielen sehen als beispielsweise den HSV, der gefälligst wieder im Mittelfeld verschwinden soll. Für Bremen könnte dieser Durchhänger auch deshalb unangenehme Folgen haben, weil Özil gerade von Arsenal und Chelsea umworben wird, was ihm offenbar gar nicht gut tut, denn er legte ein äußerst unauffälliges Verhalten an den Tag und wurde deshalb von der BamS mit der Note fünf bestraft, was ihm sicherlich eine ordentliche Lehre sein wird. Aber auch der Münchner Ersatzbankspieler und ehemalige Nationalspieler Borowski ist nur noch ein dunkler Schatten am Bremer Firmament. Ganz unten in der Tabelle regt sich noch eine Leiche, die schon langsam nach 2. Liga zu riechen anfing. Mit den Neueinkäufen Kobiashvili und Gekas und der Rückkehr des Langzeitverletzten Kringe gelangen den Herthanern gleich drei Tore. Viel mehr hatten sie in der ganzen Hinrunde nicht geschafft. Allerdings gegen völlig indisponierte Hannoveraner, gegen die schon in der Hinrunde der einzige Sieg der Hertha gelungen war. Kapitän Friedrich will die »Euphorie niedrig halten«. So wenig das bei einer Euphorie geht, so wenig scherten sich die Fans drum, denen jeder Sieg nach 161 sieglosen Tagen wie ein Wunder vorkommen muß. »Hey, das geht ab, die Hertha steigt niemals ab«, dichteten die nicht ganz dichten Hertha-Fans denn auch hemmungslos infantil. Ich aber denke, bei diesem schrecklichen Liedgut sollte der Abstieg vorprogrammiert sein, und wenn es noch einen gerechten Fußballgott gibt, dann bitte als Ersatz für Hertha Eisern Union.