Die Wahrheit über den 19. Spieltag

Ich kann mich nicht erinnern, daß der BVB so lange einen Sieg nach dem anderen eingeheimst hat, und das mit einem unglaublichen Elan. Sogar die Hamburger, die ja nun wirklich nicht zu den Luschen in der Liga gehören, mußten ihre erste Auswärtsniederlage einstecken. Und das völlig zu recht, denn die Dortmunder spielten, wie Jürgen Klopp später lobte, ausgezeichnet »gegen den Ball«. Ein neues Zauberwort, denn eigentlich sollte man ja mit dem Ball spielen, wenn er ein Freund ist, denn dann läuft und läuft er wie früher nur der VW Käfer, und zwar in den eigenen Reihen. Da aber die Dortmunder zwar als Mannschaft füreinander rackern und wie ein Bienenschwarm sich auf den ballführenden Gegner stürzen, aber technisch nicht gerade zur Elite des deutschen Fußballs gehören, müssen sie gegen den Ball arbeiten, und das heißt rennen, rennen, rennen, und zwar immer dem Ball hinterher. Und deshalb setzt Klopp auf junge Leute, denn das können sie, wenn sie schon technisch nicht besonders ausgefuchst sind, wie z.B. Großkreutz, der, wie ausgerechnet wurde, fünf Kilometer mehr als alle anderen pro Spiel läuft (haben die Spieler eigentlich einen Kilometerzähler an den Beinen?). Wie auch immer. Bislang gelingt es den Dortmundern mit dieser Methode, alle Gegner zu verwirren. Im Hinspiel sogar die Bayern, aber leider nur die ersten zwanzig Minuten. Jetzt schaffen sie es das ganze Spiel über, aber man merkt, daß ihnen in der 2. Halbzeit langsam die Puste ausgeht, und nicht umsonst kassieren sie in der 2. Spielhälfte die meisten Tore, wie Marcel Reif nicht unerwähnt ließ in der Hoffnung, daß eine selffullfilling prophecy eintreten würde, denn Reif mag den BVB nicht, und alle wissen das, weshalb das Stöhnen groß war im Intertank, als Reif als Moderator angekündigt wurde. Dahin ging ich, weil die Milchbar schon eine halbe Stunde vor Spielbeginn so voll war, daß kaum mehr ein Blatt Papier zwischen die Herumstehenden paßte. Der Laden ist nur fünf Minuten entfernt von der Milchbar, denn Kreuzberg hat das dichteste Netz von Kneipen, die nur BVB-Spiele live und in voller Länge zeigt. Nach dem Spiel tollten die Spieler vor der Fankurve herum wie junge Hunde und als hätten sie die Meisterschaft gewonnen. Sie hatten aber gute Gründe zu feiern, denn die Bilanz gegen den HSV sieht desaströs aus, und dann hatten die Norddeutschen in der letzten Saison den Schwarzgelben durch ein illegales Tor auch noch den internationalen Wettbewerb vermasselt. Das schrie nach Rache, und sie gelang. Passend dazu verbaselten die Schalker in Bochum in den letzten fünf Minuten einen 2-Torevorsprung, ohne wie die Dortmunder in Köln in der Nachspielzeit das Spiel wieder umzudrehen (und für diese Dramatik muß man die Dortmunder z.Z. lieben), d.h. Schalke verschenkte zwei Punkte. Nur Bayern war auch von Bremen nicht zu stoppen, siegte zwar nur knapp, hatte aber Chancen für zehn Partien. Das hat zwar den Vorteil, daß Dortmund seinen Vorsprung gegenüber Verfolger Bremen um weitere drei Punkte ausbauen konnte, dennoch hätte ich den Bremern mehr gegönnt. Nachricht des Tages aber war: Van Nistelrooy kommt zum HSV, um dort sein Gnadenbrot zu essen, denn mit 33 gehört er in der Welt des Fußballs zum alten Eisen.