Die Wahrheit über den 20. Spieltag

Der Abstiegskampf wird schon in der Mitte der Saison immer lustiger. Arne Friedrich, der letzte Woche noch lustlos auf dem Platz herumtrabte, diesmal jedoch angeblich bester Spieler war, sagte: »Die erste Hälfte war eines Abstiegskampfs unwürdig.« Daraus könnte man schließen, daß ein munteres Spiel stattfand gegen die Bochumer, die ganz in Rosa auftraten, der Lieblingsfarbe meiner Tochter. Aber das Spiel gehörte zu den grottigen Kicks an diesem Wochenende, und das torlose Remis entsprach ganz dem Spiel selbst, d.h. es war genauso, wie man sich einen Abstiegsgipfel vorstellt. Dennoch ist Hertha die einzige Mannschaft der Rückrunde, die noch kein Gegentor kassieren mußte. Wie alles noch besser werden soll, verriet ebenfalls Arne Friedrich: »Wir müssen einfach mehr aus dem Arsch kommen.« Eine geheimnisvolle, womöglich ganz neue Strategie, die sich in Berlin abzeichnet. Auch beim Club keimen nach dem Sieg in Hannover neue Hoffnungen, während bei den 96ern nicht mal der Trainerwechsel etwas brachte, jedenfalls spielen sie auch unter Mirko Slomka völlig von der Rolle, und es ist kein Ende abzusehen. Ebenfalls von der Rolle ist Werder Bremen. 23 Mal hintereinander unbesiegt und dann plötzlich der Absturz mit der nun bei Gladbach 5. Niederlage in Folge. Auch hier handelt es sich um einen unerklärlichen Vorgang, der vielleicht mit dem Nimbus der Unbesiegbarkeit zu tun hatte, mit dem Wirbel um Özil und wer weiß mit welchen Dingen sonst noch. Vielleicht ist der ganzkörpertätowierte Frings geknickt, weil er nicht mit zur WM darf. Man weiß es nicht, aber man weiß, daß Schaaf da auch wieder herausfindet. Die verschärften Trainingseinheiten in der letzten Woche waren jedoch nicht der Schlüssel zum Erfolg. Solche Leistungseinbrüche kommen bei jeder Mannschaft vor, und man kann davon ausgehen, daß der auch bei Leverkusen noch kommt, weshalb die Bayern mal wieder Meister werden, denn die haben ihr Tief schon hinter sich und ballern gerade alles weg, was sich ihnen in den Weg stellt. Okay, Mainz ist jetzt nicht gerade die große Nummer, an der sich zeigen ließe, daß man zur Weltspitze gehört, aber auch gegen solche Mannschaften muß man erstmal diese souveräne und drückende Überlegenheit bringen, muß man derart verschwenderisch mit den Chancen umgehen können und trotzdem 3:0 gewinnen. Nur der Mainzer Mannschaftsbus vor dem Tor könnte eine Niederlage verhindern, meinte Trainer Tuchel vor dem Spiel, was auch nicht gerade von sprühendem Selbstbewußtsein zeugte, und so marschieren die Bayern auf und davon und Jupp Heynckes kommt langsam ins Schwitzen. Auch für Rangnick brechen harte Zeiten an, denn das nominell glänzend besetzte Hoffenheim ist nur noch ein Schatten früherer Tage und die damals noch grandios auftrumpfenden Spieler sind verunsichert oder leiden an Selbstüberschätzung. Und wer hatte das Glück, ausgerechnet jetzt gegen die schwachen Hoffenheimer anzutreten? Natürlich Felix Magath mit den Schalkern, die schon wieder drei Punkte einheimsen konnten. Interessant wird es gerade in der 2. Liga, denn dort hat St. Pauli mit einem Sieg in Duisburg die Tabellenführung übernommen, zumindest bis zum heutigen Montag, und dann muß Kaiserslautern auch erstmal in Aachen gewinnen. Und auch in der Heimatstadt des Cowboys Franz Dobler Augsburg tut sich Erstaunliches. Dort schießt der ehemalige Mainzer Stürmer Thurk Tore am Fließband und Augsburg auf den 3. Platz.