Die Wahrheit über den 26. Spieltag

Eigentlich mochte ich Heiko Herrlich nie besonders, weil er seine Gläubischkeit etwas zu sehr raushängen ließ, und zudem erreichte er nie wieder die Spitzenleistungen, die er bei Gladbach gebracht hatte. Weil Dortmund damals nach der Devise »Hauptsache teuer« handelte, wurde er für sensationelle 11 Millionen gekauft, die er eindeutig nie wert gewesen ist. Damals war Herrlich, was Valdez heute für den BVB ist, ein Kämpfer, dessen technische Möglichkeiten, sagen wir mal, limitiert waren; ein Ballverstolperer de luxe, und der schnellste war er auch nicht. Aber das alles ist lange her, inzwischen macht er als Trainer von Bochum eine Bella figura, hat den Schalkern einen Punkt abgetrotzt, was nicht wenig ist, denn Magath eilt von Sieg zu Sieg, ohne daß jemand das richtig begreifen könnte. Nach dem 2: 1 gegen die Stuttgarter steht Schalke jetzt schon mal auf Platz zwei. Die Wochen der Wahrheit, wenn es gegen Bayern, HSV und Leverkusen geht, stehen zwar erst noch bevor, aber es ist nicht unvorstellbar, daß Schalke auch aus diesen Begegnungen einen guten Schnitt macht. Gegen die Bayern haben sie dann aber doch keine Chance.

Dortmund kann da zwar nicht mithalten, weil Siege gegen die direkte Konkurrenz fehlen, aber das Auftreten in Bochum war mehr als souverän. Bei dem kleinen Ruhrderby war die Hütte voll. Die Zuschauer sahen wenig von ihrer Mannschaft, die eine Klatsche einstecken mußte.

Im Abstiegskampf wurden die Weichen gestellt. Hannover und der Club haben sich ein bißchen nach oben absetzen können, während bei Hertha nun endgültig das Licht auszugehen scheint. Nürnbergs Torhüter Schäfer brachte Berlins Stürmerstar Raffael zur Verzweiflung, und dann schoß der Club aus dem Nichts heraus den Ausgleich und in der allerletzten Minute auch noch das Siegtor. Die Hertha-Fans, die zunächst gefeiert wurden – »So sieht Liebe zum Verein aus«, schmalzte ein Reporter, obwohl da nur ein paar garstige Gestalten zu sehen waren –, hatten nach dem Spiel die Schnauze voll, sprangen über die Absperrungen (Foto) und randalierten ein bißchen auf dem Platz.

Das einzig Schlimme, das eine Kamera einfangen konnte, war eine umgestürzte Bank. Die Nürnberger flüchteten in den Presseraum, weil der heranstürmende Mob natürlich kein schöner Anblick ist. Preetz hatte Tränen in den Augen. Nicht nur das Spiel verloren, nun laufen auch noch die Fans aus dem Ruder. Auch wenn nichts passiert ist, werden wieder große Sonntagsreden geschwungen werden über Gewalt im Stadion und das alles. Dabei weiß man doch, daß die Hertha-Fans schon immer die unangenehmsten und besser in der 2. Liga aufgehoben sind. Also dann: Tschüs, Hertha, keiner vermißt dich!