Die Wahrheit über den 27. Spieltag

Während Heynckes hölzern und unbeholfen versuchte zu erklären, warum Leverkusen in der 2. Halbzeit in Dortmund so eingebrochen war, starrte ich fasziniert auf sein linkes Ohr, das früher immer rot wurde, mittlerweile aber leicht geknickt wie das von einem Hasen absteht, während das rechte Ohr von Heynckes vorschriftsmäßig im graumelierten Haar eingebettet war. Heynckes versuchte, den weisen Fußballlehrer zu geben, aber das Schlappohr erinnerte daran, daß diese Rolle ihm überhaupt nicht steht, daß er weder mitreißende Euphorie ausstrahlt, noch Mourinhos Beckmesserei, mit der er die Journalisten gegen sich aufbringt, und daß vor allem seine Analysen banal sind, denn jedem völlig ahnungslosen Zuschauer war es nicht entgangen, daß dem 2. und 3. Treffer der Dortmunder richtig schöne Bilderbuchschnitzer der Leverkusener vorausgingen.

Wieder einmal bewies die Tablettenelf, daß sie einen Ausrutscher der Bayern nicht nutzen kann und schon längst Muffensausen hat. Aber okay, Dortmund hatte in der ersten Halbzeit Weidenfeller und soviel Glück wie sonst nur die Bayern, denn Leverkusen war auf deprimierende Weise überlegen und hätte locker 3:0 führen können. Erstaunlich war nur, wie schnell die Überlegenheit in Unsicherheit umkippte, wie anders plötzlich die Dortmunder auftraten, auf die ich keinen Pfifferling mehr gegeben hätte. Plötzlich stand da eine kompakte Mannschaft vor einem und setzte die Leverkusener unter Druck, die vorher souverän mit den Schwarzgelben Katz und Maus gespielt hatten. Für die Dortmunder war dieser Sieg auch deshalb wichtig, weil man ja auch mal gegen eine Mannschaft gewinnen muß, die tabellarisch vor einem steht.

Zudem konnte man die Bremer wieder hinter sich bringen, die sich nach einem Zittersieg gegen Bochum für zwei Stunden auf Platz vier vorgerobbt hatten. Jedenfalls war es wieder eines dieser geheimnisvollen Spiele, die so richtig nicht erklärt werden können und die zeigen, daß Fußball eine labile Angelegenheit ist, in dem Kleinigkeiten entscheidend sind. Und natürlich Glück. Denn daß Leverkusen Riesenchancen ungenutzt läßt, Dortmund aber aus der ersten halben gleich ein Tor macht, sind Dinge, die sich so richtig nicht erklären lassen. Beim Versuch, es dennoch zu tun, knickt einem dann das Ohr ab und versucht davonzufliegen.

Aber während bei Bayer krampfhaft versucht wird, sich bloß keine Krise einreden zu lassen, die man schon längst hat, hat Bayern diese Sorgen nicht, denn sie können sich bei ihrer Konkurrenz darauf verlassen, daß sie rechtzeitig einknickt, wenn man selber mal patzt wie in Frankfurt, wo man peinlicherweise in den letzten drei Minuten noch zwei Treffer zur verdienten 2:1-Niederlage kassierte, womit die Eintracht nach den letzten schmählichen Auftritten endlich mal wieder bewiesen hat, wozu sie da ist, nämlich dazu, mal den Richtigen, also den Unsympathen der Liga, die Punkte abzunehmen, und nicht den Netten, Sympathischen und Schönen wie dem BVB, der jetzt drei Punkte mehr haben könnte. Aber damit sei Skibbe erstmal alles wieder verziehen. Jedenfalls ein schöner Spieltag. So könnte es ruhig noch ein bißchen weitergehen.