Die Wahrheit über den 34. Spieltag

Selten gab es einen letzten Spieltag mit so wenig Spannungspotential. Man konnte sich schon vor einer Woche an allen zehn Fingern ausrechnen, was in den noch offenen Fragen passieren würde. Bremen brauchte noch einen Punkt zu Hause gegen den HSV, und das war keine unlösbare Aufgabe gegen einen Gegner, der mit Ambitionen nach ganz oben angetreten war und der kräftig in seinen Kader investiert hatte und nun vor einem Scherbenhaufen steht. Wegen Vorstand Hoffmann haben sich schon HSV-Fans auf der Tribüne geprügelt, weshalb die Bremer Fans da gerne noch etwas Salz in die Wunden streuten mit dem Plakat »Hoffmann bleibt«, denn unter seiner Regie hat der HSV einfach keine Schnitte gegen die Bremer machen können. Im Europapokal und im Pokal schied man letzte Saison gegen die Grünweißen aus, und auch diesmal schaffte es der HSV nicht, die letzte hauchdünne Chance auf einen internationalen Platz zu wahren.

Und wieder ist ein Ehrgeizling in der Liga gescheitert, der dachte, er könnte sich mit dicken Investitionen eine Dauerticket für Europa erwerben. Schon letzte Saison war das Tor nach Europa nur durch ein illegales Tor in der allerletzten Sekunde geöffnet worden. Diesmal half auch kein van Nistelrooy mehr, Hamburg stürzte auf den letzten Metern ab, während die Bremer sich bravourös auf den 3. Platz vorschoben. Bremen hat nur ein Handicap, und das hört auf den Namen Tim Wiese, der krankhaften Ehrgeiz mit rosa Peinlichkeit auf hervorragende Wiese zu verbinden weiß. Auf ewig wird sein millionenschwerer Patzer gegen Juve in Erinnerung sein, als er nach einer kuriosen Showeinlage auf Schülerniveau den Ball dem Gegner vor die Füße legte. Und das wird es auch sein, was von Tim Wiese in Erinnerung bleiben wird. »Ich kämpfe um die Nr. 1, bis mir das Blut aus den Ohren kommt.« Man weiß nicht so recht, ob man menschenfeindlich ist, wenn man ihm bei dieser Verrichtung viel Erfolg wünscht.

Für Leverkusen hingegen reicht es nur zu einem Europacup-Platz, was nicht viel ist, da die Tablettenelf einmal sechzehn Punkte Vorsprung gegen Bremen hatte, und den zu verspielen ist schon eine vorzeigbare Leistung. Dennoch redet sich Heynckes den 4. Platz schön. Aber ich sollte vielleicht den Mund nicht zu voll nehmen, denn der BVB war am Ende auch nicht gerade ruhmreich und ließ jede sich bietende Gelegenheit ungenutzt, um noch auf Platz 3 vorzustoßen. Diesmal reichte es nicht mal gegen Freiburg, aber da ging es auch um nichts mehr.

Von Hertha habe ich mich ja schon verabschiedet, nun auch von den Bochumern, die es gegen Hannover selber in der Hand hatten, aber auch der Interimstrainer Wosz, der den Ex-Dortmunder Herrlich abgelöst hatte, konnte nichts mehr bewirken, wofür er sich zerknirscht bei den Fans entschuldigte, die ihre Schals verbrannten und ein paar Plastikstühle zerlegten bzw. einen Weitwurfwettbewerb mit ihnen veranstalteten. Und obwohl Wosz bereits dreimal als Spieler mit dem VfL abgestiegen ist, meinte er, so einen Auftritt hätte es zu seiner Zeit nicht gegeben. Naja.

Hannover hingegen hat leider doch noch die Kurve gekratzt, was die Spieler als Anlaß nahmen, den seligen Robert Emke noch einmal zu exhumieren mit der Transparentaufschrift »Robert R.I.P.« Ob Emke allerdings bei dieser dünnen Leistung seiner Mannschaft tatsächlich seinen Frieden findet, läßt sich bezweifeln. Und der Club muß trotz eines knappen Sieges gegen Köln nun in die  Relegation gegen Augsburg. Allzu sicher sollten sie sich nicht fühlen, denn Augsburg hat einen Freund, der aus Hüfte schießen kann, ein nobler Freund, und der heißt Franz Dobler.