Bischof Mixa; Philipp Freiherr von und zu Guttenberg; Wiese, Tim

Ich finde, wenn man Aufnahmen von Bischöfen sieht, die im Rudel zusammenstehen oder gerade ihren Limousinen mit Chauffeur entsteigen, mit Sonnenbrillen und dem feisten Lächeln von Gutgenährten, dann könnten das genauso gut Mafia-Bossen sein, wenn die alberne Verkleidung nicht wäre. Die Mafia ist den Bischöfen genau um dies voraus: Sie ist wenigstens gut gekleidet. Im Lügen und Betrügen ist es schon weit schwieriger zu sagen, wer die Nase vorn hat. Mit Bischof Mixa liegt in dieser Disziplin die Kirche wieder vorne. »Ein Priester muss gewaltlos sein. Ich habe mich immer daran gehalten. Deshalb habe ich zu den Vorwürfen, die aktuell gegen mich erhoben werden, ein reines Herz. Die Anschuldigungen sind einfach unwahr und stimmen mich traurig«, sagte der Bischof und fügte mit erstaunlicher Chuzpe hinzu, daß er für die, die ihn beschuldigten, beten wolle. Könnte sich das Gebet möglicherweise so angehört haben: »Bitte, lieber Herrgott, laß diese verdammten Kläffer, die mir ans Bein pinkeln wollen, zur Hölle fahren!« Man weiß es nicht, aber das Gebet wurde erhört, allerdings von den Opfern, die  sich reihenweise meldeten und bezeugten, von Mixa geschlagen worden zu sein und ihm anschließend die Hand küssen mußten, quasi die Hand Gottes, die mildtätige Gaben auf diverse Körperteile der Delinquenten verteilt hatte. Vom weihevollen Verkünder der Gewaltlosigkeit eines Priesters verwandelte sich Mixa plötzlich in einen jovialen Naturburschen, dem halt mal die Hand ausgerutscht ist. Mein Gott, was ist da schon dabei? »Wenn jetzt das Thema auf die Frage nach Ohrfeigen zugespitzt wird, will ich ganz ehrlich sagen, dass ich als langjähriger Lehrer und Stadtpfarrer im Umgang mit sehr vielen Jugendlichen die eine oder andere Watschn von vor zwanzig oder dreißig Jahren natürlich nicht ausschließen kann.« Dieses »ganz ehrlich« und das »natürlich« sind sehr lustig. Auch daß eine »Watschn« für Mixa keine körperliche Züchtigung darstellt, sondern offensichtlich zum normalen Umgang mit anderen gehört, eine »Watschn« quasi nur eine Art handfeste mit Nachdruck vorgetragene Argumentation ist, ist interessant. Daß eine Ohrfeige erniedrigend ist, versteht Mixa nicht. Auch nicht daß es sich um ein Ritual der Unterwerfung handelt, wenn der Geschlagene seine Hand küssen mußte. Aber genau in diesem auf strukturelle Gewalt beruhenden Verhältnis von Herr und Knecht drückt sich die Herrschaftsform der Kirche aus. Sie funktioniert so, sie beruht auf solchen hierarchischen Strukturen, die notfalls mit Gewalt aufrecht erhalten werden, so daß Leute wie Mixa nicht die Ausnahme, sondern die Regel sind, denn die Kirche bringt Menschen mit solchen miesen Charakteren erst hervor, nach außen frömmelnd und nächstenlieb und nach innen gewalttätig und unterdrückend. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, daß inzwischen Stimmen laut wurden, die Mixa nicht nur Schläge vorwerfen, sondern auch sexuellen Mißbrauch. Konsequenzen? Der Papst nimmt die Rücktrittsforderung von Mixa an, der Mann bleibt Bischof, wahrscheinlich mit den entsprechenden üppigen Bezügen, nur ohne Diözese. In einer speziellen Schweizer Klinik darf er sich von den Strapazen erholen. Und das ist doch schön und beruhigend, daß solche bedauernswerten Menschen kein Leid getan wird, auch wenn ich mir als rachsüchtiges Subjekt schon wünsche, daß Mixa all die Watschn zurückkriegen würde, die er verteilt hat, und anschließend müßte er den Opfern die Hände küssen. Ich meine, das ist doch nicht zuviel verlangt oder? Mein Gott, was ist schon so eine Watschn?
Neues gibt es auch wieder aus dem Hause von und zu Guttenberg. Diesmal ist es der Bruder des Verteidigungsministers, der unter Beweis stellt, daß auch er nicht mehr alle Spatzen im Wald hat. In einer großen Home- bzw. Waldstory kommt heraus, daß er sich Sorgen um den deutschen Wald macht und deshalb zum Präsidenten der deutschen Waldbesitzer gewählt wurde. Seine Frau entstammt einem alten schottischen Geschlecht und auf der Hochzeit waren Lederhose, Dirndl und Schottenrock obligatorisch. Mit seinem Vater Enoch zu Guttenberg, der sich Sorgen macht wegen des Abschmelzens der Pole, weil das Hochwasser dann zur Folge hätte, daß Millionen von Flüchtlingen wie ein alttestamentarischer Heuschreckenschwarm nach Deutschland einfallen und die deutschen Wälder niedertrampeln würden (siehe LIVE 2/2010)…, mit dem also spielt Philipp manchmal zusammen Waldhorn, »ein hervorragendes Beispiel, wozu man Holz nutzen kann«, wie er meint, um davon abzulenken, daß er mit der Waldhornbläserei wahrscheinlich nur Angst und Schrecken unter der Tierwelt verbreitet. Dennoch hat das wenigstens noch eine zwar komische, aber letztlich auch praktische Seite, selbst dann, wenn nur ein Waldhorn herauskommt, aber dann kommt eben doch das Mystische des Waldes zum Vorschein und bricht sich bei Philipp Freiherr von und zu Guttenberg Bahn: »Für mich ist es nicht nur ein Naturerlebnis im Wald sein zu dürfen, sondern eine Art Schöpfungserfahrung. Ich tanke Energie. Ich spüre, ich bin Teil von etwas sehr, sehr Großem.« Von mir aus kann er den Rest seines Lebens im Wald mit dem ganzen Ungeziefer, Borkenkäfern und Zecken verbringen und sich Gedanken über die Schöpfung machen. Da bin ich liberal. Und bitte auch gleiche seine merkwürdige Wald-und-Wiesen-Verwandtschaft mitnehmen.
Jeder Fußballverein hat so seine Probleme. Das Problem bei Werder Bremen hört auf den Namen Tim Wiese, eine Mischung aus rosa Peinlichkeit und Zuchtbulle, jedenfalls sah er so aus, als er sich mal mit seiner Lebensgefährtin für Bild präsentierte, vollgepumpt bis zu den Haarwurzel mit Testosteron. Also nicht schön. Nachdem die Nummer 1 im deutschen Tor Rene Adler die WM in Südafrika absagen mußte, ist ein künstlich geschürter Kampf um den vakant gewordenen Posten unter den Ersatztorhütern entbrannt. Tim Wiese mischte auch mit. Auf ewig wird sein millionenschwerer Patzer gegen Juve in Erinnerung bleiben, als er nach einer kuriosen Showeinlage auf Schülerniveau den Ball dem Gegner vor die Füße legte, der nur noch einschieben brauchte, um ein verloren geglaubtes Spiel doch noch zu drehen. Und das wird es auch sein, was von Tim Wiese in Erinnerung bleiben wird. Jetzt schickte er folgendes Bewerbungsschreiben los: »Ich kämpfe um die Nummer 1, bis mir das Blut aus den Ohren kommt.« Für diesen absurden Ehrgeiz sollte man ihm eigentlich viel Erfolg bei dieser Tätigkeit wünschen.