Die Wahrheit über den 8. Spieltag der Bundesliga

Nach dem Spiel stand ich mit ein paar Unentwegten, die nichts erschüttert und die sich bei passender Gelegenheit gerne an das 10:1 gegen Bielefeld 1981 erinnern (wobei ich für diese Angaben keine Gewähr übernehme, oder muß es heißen Gewehr?), und zerbrach mir den mit hochwertigem Whiskey gefüllten Kopf über den desaströsen Auftritt der Dortmunder in Karlsruhe. Völlig unnötigerweise, denn niemand hatte eine Antwort darauf, außer daß etwas Fundamentales in der Mannschaft nicht stimmt. Ich konnte mich jedenfalls nicht erinnern, schon einmal so ein lächerliches Spiel des BVB gesehen zu haben, auch wenn man solche Partien natürlich gerne verdrängt, was ja auch gut so ist, denn sonst ginge mir das bei den Schwarzgelben schnell an die Substanz. Und an die ging es diesmal wirklich. Ohne Scheiß. Okay, Petric und Kringe fehlten diesmal, ebenso wie die Langzeitverletzten Kehl und Frei, aber selbst durch diese Ausfälle waren die Ausfälle des Mannschaftsrests nicht zu erklären. Was ich als langjähriger Amateur weiß und was nun mal zum ABC eines jeden gehört, der irgendwie mit Fußball zu tun hat, daß man leider nur über den Kampf zum Spiel findet, wenn einem die technischen Mittel fehlen und der Faden gerissen ist, wofür es jede Menge Gründe gibt. Und die müssen nicht mal unbedingt atmosphärisch sein, es kann auch irgendein idiotischer Fußballgott seine schmutzigen Finger im Spiel haben. Und dann hilft eben nun mal nur Kampf und Krampf. Das ist die miese und abartige Seite des Fußballls. Aber es waren nicht die Dortmunder, sondern die Aufsteiger, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten alles versuchten und deshalb auch verdient gewannen. Doll sprach nach dem Spiel davon, daß jede Mannschaft Probleme kriegt, wenn drei, vier Leute ihre Leistung nicht abrufen. In diesem Fall dürften es neun gewesen sein, denn außer Dede und Kuba hatten die Dortmunder nur Luschen am Start. Kann sein, daß ich ein wenig verbittert bin, aber wenn man erst vor wenigen Tagen die Hamburger gesehen hat, die bereits in der gegnerischen Hälfte die Dortmunder unter Druck gesetzt haben, dann ist es nur schwer zu verkraften, wenn die Dortmunder mauern und auf Konter spielen und dennoch in der Abwehr löchrig sind wie … na? Eben! Allein Weidenfeller hätte an besseren Tagen alle drei Treffer der Karlsruher gehalten, und es war ja auch keiner wirklich unhaltbar. »Federico fand nicht statt«, sagte der Kommentator, und ich mußte dem Arschloch auch noch recht geben. Zorc, der noch nach dem Spiel gegen Hamburg von »Weicheifußball« schwadroniert hatte, wofür er wegen Sprachschändung fristlos hätte entlassen werden müssen, hielt diesmal dankenswerterweise die Klappe, während Doll rat- und hilflos wirkte. Genau wie ich. Aber Doll muß antichambrieren, während ich mir den Frust von der Seele schreiben darf. Am Ende ertappte ich mich sogar dabei, daß ich mir einen 4. und 5. Treffer der Badener wünschte, um frei nach Marx »die Schmach noch schmachvoller« zu machen, nur damit irgendetwas passieren würde in diesem leblosen Haufen. »Depressiver Tag« heißt der Hit von Britta. Das könnte noch die BVB-Hymne werden. Und dann gewann auch noch Bayern glücklich gegen Bayer, aber so what. Bayer ist nicht gerade der Verein, für den ich die Daumen halte. Nein, mein Interesse an den anderen Ergebnissen hielt sich danach in Grenzen. Nur der sensationelle 8:1-Sieg der Bremer über Bielefeld konnte die übel lädierte Laune ein bißchen aufmöbeln. 26 Jahre ist es her, daß Dortmund da mithalten konnte. Und vermutlich wird man ungefähr nochmal so lange warten müssen, bis solche Sternstunden zurückkommen.