Die Wahrheit über den 21. Spieltag

Das ist große Kunst: Mit einem lumpigen Unentschieden den Abstand zu den Verfolgern auf einen Punkt erhöhen. Rummenigge ging sogar davon aus, daß sich die Dortmunder nach dem Derby-Remis über die Münchner kaputtlachen würden. Warum aber sollten sich die Dortmunder über eine Mannschaft auf Platz 5 totlachen? Das würden vielleicht die Bayern tun, Dortmund aber trauert. Und zwar über seine vergebenen Chancen, die von Manuel Neuer vereitelt wurden, weshalb er mit dem Attribut »Weltklasse« belegt wurde, dabei waren es nicht die »Großtaten« Neuers, die das Spiel entschieden, sondern die Versagensangst der Dortmunder vor dem eigenen Publikum, und am Ende kam mit einem Pfostenschuß auch noch Pech dazu. Der BVB hatte ein gutes halbes Dutzend Großchancen kläglich vergeben. Jeder Bundesligatorwart hätte da gut ausgesehen. Wenn ich vor dem Spiel darüber grübelte, daß Schalke vielleicht einen guten Tag erwischen könnte, so hatten sich meine Befürchtungen nach fünf Minuten erledigt, denn da hatten die Dortmunder bereits zwei riesige Möglichkeiten mit derartigem Furor herausgespielt und die Schalker so alt aussehen lassen, daß sehr schnell klar wurde, dies würde eine sehr einseitige Angelegenheit werden. Als »peinlich« wurde der Auftritt Schalkes bezeichnet, als »Klassenunterschied« auch. Mit diesen Urteilen gehen Journalisten oft ein wenig leichtfertig um, nur weil ein Sieg ein bißchen deutlich ausfällt, in diesem Spiel aber ließ sich zumindest der Unterschied zwischen einer eingespielten und einer zusammengewürfelten Mannschaft beobachten, die zudem nichts miteinander verbindet, in der Leute wie Farfan ihren Weggang durch Arbeitsverweigerung erzwingen wollen und die deshalb in Bild als »Abgreifer« verhöhnt werden. Bei Dortmund habe ich nicht den Eindruck, daß die vergebenen Chancen aus den Spielen gegen Stuttgart und Schalke, die normalerweise für zehn Spiele reichen, um sie zu gewinnen, die Mannschaft aus dem Tritt bringen werden. Die Dominanz, der Spielwitz, die Schnelligkeit, das Pressing, darauf scheint z.Z. keine andere Mannschaft eine Antwort zu haben, und auch nicht auf die Leichtigkeit des Spiels, das fast ohne Fouls auskommt. Wie man sich blamiert, das zeigten die Münchner in Köln, die schon gegen Bremen nur mit Ach und Krach und nur wegen eines nicht gegebenen Elfers gewonnen hatten (wobei es sogenannte Experten gibt, die das vielleicht anders gesehen haben, von denen ich aber Gottseidank keiner bin). Das muß man erst mal schaffen, einen 2:0-Vorsprung verspielen. Van Gaal war »böse, enttäuscht, erstarrt«, Overath weinte, Rummenigge war auch böse und Müller sprach bereits vom »Abstiegskampf«, auf den sich die Bayern einstellen  müßten, wenn sie weiter so spielten. Auch Bayer Vizekusen versagte, wenngleich gegen überhart einsteigende Nürnberger, wobei dies nicht der einzige Grund war. Ein anderer hieß Ballack, der wie ein mittelmäßiger Mitläufer spielte und frühzeitig ausgewechselt werden mußte. Und am Tabellenende? Da wird Gladbach gerade aus der Liga gemobbt. Zwei krasse Fehlentscheidungen des Schiedsrichters brachten die Gladbacher um den Sieg gegen Stuttgart.