Die Wahrheit über den 23. Spieltag

Immerhin ging es gegen Mannschaft, die in der Rückrunde schon 11 Punkte eingesackt hatte, also immerhin zwei mehr als Dortmund, und die am Mittwoch im HSV-Wohnzimmer mit einem 1:0 ein bißchen Schmutz hinterlassen hatte, so daß der HSV-Geschäftsführer hätte »kotzen können«, als er die feiernden St. Pauli-Fans sah. Viermal im Jahr darf Harry Rowohlt gegen seine Alkohol-Karenz verstoßen. Wenn das mal keine Grund gewesen ist, an diesem Tag die Karte zu  ziehen und auf die erste Niederlage der schnöseligen HSVler im eigenen Stadion seit über 30 Jahren mit ein paar Whiskey anzustoßen. Aber diesmal ging es gegen Sahin und Co., und die spielen gerade Fußball von einem anderen Stern, wo es um Schönheit geht und nicht um profane Tore, weshalb man schon dreimal unentschieden gespielt hat. Nicht daß ich St. Pauli den Untergang gewünscht hätte, aber die Millerntorjungs waren ziemlich chancenlos und der Trainer saß nach dem Schlußpfiff noch minutenlang konsterniert auf der Bank und starrte deprimiert auf den frisch verlegten Rasen, auf dem das Kombinationsspiel der Dortmunder nochmal um einiges besser aussah. 25:3 Torschüsse hieß am Ende ein anderes statistisches Ergebnis, das immer noch in einem krassen Mißverhältnis zum Endstand steht. Götze, Großkreutz, Barrios und Lewandowski gingen wie immer verschwenderisch mit den Chancen um, als ob es ihnen lediglich darauf ankäme, Chancen zu generieren. Neben mir im Intertank saß der Stuttgarter-Kickers-Fan Joe Bauer, der in Stuttgart einen eigenen Taxifahrer hat und schon große Reden vor großen Massen geschwungen hat, die gegen Stuttgart 21 sind. Er ist Valdano-Anhänger wegen der Poesie. Er schwärmt immer noch von der magischen Nacht, als die Kickers den BVB aus dem Pokal kickten. Joe Bauer nehme ich das nicht übel, und das nicht nur, weil er den Boss der Stuttgarter Hells Angels kennt, weshalb es selbstverständlich besser ist, etwas zurückhaltend zu sein. »Dortmund isch no net durch«, sagt er. »Vier Spiele sinn schnell verlore.« Er spricht aus Erfahrung. Und er hat recht. Und deshalb grenzt jeder neue begeisternde Auftritt der Dortmunder an ein Wunder, auch wenn es, das muß jeder konzedieren, der Barcelona gegen Arsenal gesehen hat, noch ein weiter Weg ist, um dahin zu kommen, wo z.Z. der ultimative Fußball gespielt wird. Für die Bundesliga reicht es. Dort sind sogar die Bayern so schlau anzuerkennen, daß es für sie nur  noch um Platz 2 geht. Die Bayern gewannen gegen Mainz 3:1, was allerdings so wenig zwingend war wie die 2:0-Heimniederlage in der Vorrunde. Und Bremen geht so kläglich in Hamburg unter, daß man gar nicht hingucken mochte. Vorbei die  Zeiten, als der HSV an den Bremern verzweifelte, weil sie von den Weserhelden aus allen Wettbewerben rausgekickt wurden. Bremen aber darf nicht absteigen. Dann schon eher Wolfsburg! Das wäre ein großartiger Gag. Kaum wurstelt Dieter Hoeneß in einem Verein herum und darf Millionen zum Fenster rauswerfen, schon geht der Verein baden. Auch gegen Freiburg gabs was auf die Nuß. Jetzt stehen sie mit nur drei Törchen Unterschied mit einem Bein auf einem Relegationsplatz. Da müßte doch eigentlich was zu machen sein.