Die Wahrheit über den 24. Spieltag

Hoeneß selbst hatte für die schöne Begleitmusik gesorgt, die den Sieg der Dortmunder noch süßer machte als er sowieso schon war, denn bei jedem Tor sah ich nicht nur einen noch ein Stückchen weiter in sich zusammensackenden Trauerkloß auf der Münchner Tribüne, umrahmt von einigen weiteren Trauerklößen, sondern ich hatte auch seine Worte im Ohr, mit denen Hoeneß die Sache nochmal spannend machen wollte und denen zufolge die Bayern auf jeder Position stärker besetzt seien und die Dortmunder mit zwei Toren Unterschied verlieren würden. Ein typischer Rohrkrepierer. Und vor allem war der Sieg der Dortmunder ganz einfach verdient, mehr als der 2:0-Sieg der Dortmunder in der Vorrunde, wie überhaupt die Münchner den Dortmundern zu liegen scheinen. In der BamS wird der BVB jetzt sogar schon als »unser Barca« gefeiert. Wenn es in der BamS steht mag man es zwar nicht glauben, aber es war ein tolles, rasantes, schnelles, unglaublich attraktives Spiel mit vielen Torraumszenen, das sogar besser anzusehen war als das Spiel Barca gegen Arsenal, in dem zwei ähnliche Spielsysteme aufeinandertrafen, die dem jeweils anderen nicht so viel Möglichkeiten boten wie die Bayern den Dortmundern. Aber auch die Bayern hatten Chancen, aber die Dortmunder waren taktisch hervorragend auf die Offensive der Bayern eingestellt. Robben wurde der Weg nach innen versperrt und war mit diesem einfachen Kunstgriff völlig kaltgestellt, er war in der Tat so blaß wie der Niederländer ja auch aussieht. Und auch Ribéry konnte sich gegen Pisczek nur selten wirklich in Szene setzen, womit die gefürchtete Flügelzange nur noch die Wirkung einer Geflügelzange hatte. Und dann spielte Deutschlands Schweini so, daß er in Dortmund höchstens in der 2. Mannschaft hätte auflaufen dürfen. Die Dortmunder hingegen waren sensationell cool, nie aufgeregt oder hektisch, aber dennoch mit grenzenloser Leidenschaft dabei, den Gegner unter Druck setzend und dann mit einer Paßgenauigkeit, die ihnen bei den diversen Remis fehlte, wie der präzise Steilpaß von Großkreutz auf Barrios oder das wunderbare Tor von Sahin, alles zauberhafte Ergebnisse feiner Kombinationen, für die man den Fußball liebt. 16 Punkte sind es jetzt schon, die die Bayern von den Dortmundern trennen und 30 Punkte sind noch im Topf, d.h. Bayern müßte alle zehn Spiele gewinnen, Dortmund maximal vier und ein Remis, die restlichen fünf müßten sie verlieren. Niemand kann sich das vorstellen, nicht mal die Bayern, nicht mal der autoritäre Sack van Gaal, dessen Interviews den wirren Reden Gaddafis gleichen und aus dem gleichen Geist geboren sind. Nur ein Problem könnte Dortmund noch kriegen, und dieses Problem heißt Kehl, und es ist das gleiche Problem, das Leverkusen hat, nur daß es dort Ballack heißt. Kehl durfte die letzten zehn Minuten mitmachen und ich erinnerte mich an Spiele, als die Rückkehr Kehls nach einer der vielen längeren Verletzungspausen verlorene Spiele bedeuteten. Aber die Mannschaft steckte es weg und ließ die letzten Minuten nichts mehr anbrennen. Kehl könnte zum Fremdkörper geworden sein, weshalb mit ihm nicht anders verfahren werden sollte als mit Dede. Alles andere wäre ungerecht.