Bubblegum And Beer

Eddie Spaghetti und die Supersuckers im Kato

Vom Multimedia-Mann Hartmut El Kurdi, Schriftsteller, Kinderbuchautor, Mitglied der Countryband Twang, halber Araber, halber Oberhesse, Schauspieler und Theaterstückeschreiber, bekam ich den Tip: Und der hieß Eddie Spaghetti. Schon allein der Name ist Trash vom feinsten, und seine zwei Scheiben zerstreuten endgültig den Verdacht, es könnte sich vielleicht um ein Mißverständnis handeln. »The Sauce« heißt ein Album, und auf dem Cover ist eine über und über mit roter Sauce verschmierte Blondine zu sehen. Die meisten Songs sind Coverversionen, wie z.B. »The Best of all possible worlds« von Kristofferson, »Gotta get drunk« von Willie Nelson oder »Cocaine Blues«, und die bringt Eddie Spaghetti fetziger rüber als die Erfinder. Nur bei »Peace in the valley« hat Eddie Spaghetti keine Chance, denn das ist vom unnachahmlichen Solomon Burke nicht zu toppen, der allerdings trotz harter Konkurrenz mit »Nashville« sowieso die beste Platte des letzten Jahres produziert hat.Eddie Spaghetti macht keine Kunst, sondern »simple music from a simple guy, simply done«. »Bubblegum and beer« zum Beispiel, aber warum nicht? Manchmal ist das genau das richtige. Zumindest zeugt die Auswahl der gecoverten Songs von einem guten Geschmack, und nicht nur das: mit seiner rauen, dreckigen Stimme haucht er sogar den durchgenudelsten Liedern wieder etwas Leben ein. Aber auch als Songschreiber kann er durchaus mithalten, jedenfalls ist ihm mit »Sleepy Vampire« ein hinreißendes Countrystück gelungen, das so schön ist, weil es mit der schnurrenden Gitarre von Jordan Shapiro so einfach die Sehnsucht nach Liebe ausdrückt, und das ist ja auch schließlich die genuine Aufgabe von gutem Country.Vergleichen kann man ihn mit Hank Williams III., dem Größten aus dem Genre Outlaw-Country. Und ich schätze, daß ich Eddie Spaghetti damit nicht beleidige. Aber unterwegs ist er nicht als Countrysänger, sondern mit den Supersuckers, und die sind, wie Eddie Spaghetti bei seinem Auftritt im Kato nicht müde wurde zu wiederholen, the best Rock‘n‘Roll Band in the world. Das versuchten sie denn auch mit der gesamten Rockattitüde, die eine Band in ihrem Kriegsarsenal hat, zu beweisen. Düsenjägerlaut, ferrarischnell, aggressiv und immer voll auf die Zwölf. Es wurden keine Gefangene gemacht, die Drums wurden bearbeitet als wollte ein Mullah eine Horde Ungläubiger persönlich auf den Pfad der Tugend prügeln, am Mischpult hatte jemand die Nerven verloren und die Regler voll aufgedreht, und mit den Gitarren wurde nicht nur ein Gewitter erzeugt, sondern eine Art Weltuntergang, an dem die germanischen Götter ihre Freude gehabt hätten. Das heißt nicht, daß die Supersuckers ihre Instrumente nicht beherrscht hätten, aber für einen Mann, der es gerne etwas ruhiger und auch ein Ohr für Zwischentöne hat, versank selbst der geliebte »Sleepy Vampire« und das grandiose »Roadworn and weary« in einem tosenden Soundinferno.Das Publikum verlangte jedoch danach. Die Teenies mit Maurerdekolleté und blitzendem rosa Slip und die Punks mit Hemden, die von der Kriegsgeneration noch nicht aufgetragen worden waren, wollten es genauso haben, nämlich »pretty fucked up«. An den Countrysänger Eddie Spaghetti erinnerte nur noch sein outfit. Mit seinem schwarzen Cowboyhut, seinem Schnäuzer und der Sonnebrille sah er aus wie Kinky Friedman in jungen Jahren, und als er nach der Bühnenshow, bei der man nicht behaupten kann, er hätte nicht alles gegeben, hinter dem Fanartikeltisch seine CDs signierte, während eine üppige Blondine mit üppigen Tattoos aufpaßte, daß nichts anbrannte bei den Teenies, die mehr als bloß ein Auge auf ihn geworfen hatten, da wurde er mir wieder sympathisch, denn schließlich ist Trash eben Trash und man kann von einer Trash-Ikone nicht erwarten, daß sie etwas anderes macht als Trash, also auch den klassischen Punkrock, der längst zum Klischee seiner selbst geworden ist. But what can a poor boy do except to sing in a rock‘n‘roll band? Eben.