Die Wahrheit über den 28. Spieltag

Hannovers Kapitän Cherundolo meinte, 96 hätte die Chance gehabt in Dortmund zu gewinnen. Mit dieser Meinung stand er ziemlich allein auf weiter Flur da, denn es waren nicht nur die Patzer, die den Hannoveranern unterlaufen sind, die zu dem dann letztlich souveränen Sieg geführt haben, sondern vor allem Götze und Co., die die Hannoveraner zu den Fehlern zwangen, weil sie mit feinen Kombinationen unberechenbar spielten, vor allem der inzwischen Götzinho genannte Jungstar, der mit einem sensationellen Solo den zwischenzeitlichen Rückstand von Hannover egalisierte. Und die Eleganz und die Wucht und die Effektivität, die sich da Bahn brach, die bringt auch ein Messi nicht immer zustande. Der Vergleich drängt sich einfach auf und deshalb beeilte sich Klopp, doch bitte den Ball flach zu halten und Vergleiche mit Messi zu unterlassen. Aber why the hell not, wenn er solche Kunststücke vollbringt, auch wenn Götze ein anderer Spieltertypus ist und auch nicht mit Muskelaufbaupräparaten großgezogen werden mußte. Noch schöner aber als das Tor war der anschließende Jubel und die Hommage an Dede, als Götze sein Trikot hochzog und darunter die Nummer 17 und der Name Dede zum Vorschein kam, mit dem er sich dann auch in den Armen lag, Dede, der auch in dunklen Zeiten Dortmund nicht im Stich ließ und dem es der BVB wahrscheinlich zu verdanken hat, daß der Verein nicht in die 2. Liga abgerutscht ist, Dede, der als einer der besten Linksverteidiger der Liga das Pech hatte, nach einer schweren Verletzung einen Mann vor der Nase zu haben, den er selbst gefördert hatte und der vielleicht noch einen Tick besser ist, Dede, der sich nie darüber beschwert hat, der sogar einmal ein Angebot vom AS Rom sausen ließ, um seinen Vertrag zu erfüllen, Dede, der von den ganzen Jungen, die jetzt der Meisterschaft entgegeneilen, wegen seiner artistischen Einlagen und seines Einsatzes wegen bewundert wurde, als sie alle noch auf der Südtribüne standen. Aber auch die anderen Tore zum 4:1 waren grandios herausgespielt, und auch wenn man nach der torlosen 1. Halbzeit wußte, warum Hannover auf Platz drei stand, in der 2. jedoch hatte Slomkas Truppe dem schwarzgelben Ansturm nichts entgegenzusetzen, weshalb Dortmund schon wieder wie schon die ganze Zeit als Meister gefeiert wurde. Dabei hat sich an der Ausgangslage nichts geändert, denn auch Leverkusen und Bayern gewannen ihre Spiele, wenn auch nur knapp und mit Mühe. In Kaiserslautern war es ein Glücksschuß, der Leverkusen drei Punkte einbrachte, und die Gladbacher brachten sich um einen verdienten Punkt durch einen Fehler, den die Bayern auszunutzen wußten. Obwohl man durch die Schützenhilfe Dortmunds (wie peinlich) an Hannover vorbei auf Platz drei gezogen ist, herrscht in München schlechte Stimmung, denn die Münchner Fans machen gegen die Alleinherrschaft von Hoeneß mobil, der gegen den Willen der Zuschauer den Schwachkopf Neuer verpflichten möchte. Sieht so aus, als ob Hoeneß sein Fingerspitzengefühl verläßt, wenn er glaubt, auf die in „Bild“ so genannten „Wut-Fans“ keine Rücksicht nehmen zu müssen, und wohin das führt ließ sich ja gerade in Stuttgart beobachten, wo der „Wut-Bürger“ der CDU den Gar aus gemacht hat, aber auch ein „Wut-Hoeneß“ ist sehr lustig, und von mir aus dürfen sich die „Wut-Heinis“ ruhig austoben, denn es wird sie keinen Millimeter voranbringen.