Die Wahrheit über den 30. Spieltag

Holger Stanislawski hatte vor ein paar Tagen mit einer Träne im Auge und im Herzen leise Tschüs zu St. Pauli gesagt, um nächste Saison bei – man glaubt es nicht – Hoffenheim anzuheuern, bei einem Verein aus der Retorte, ohne Fans, ohne Leidenschaft, quasi mit gar nix, nur eben mit Hopp, dem Mann mit den Millionen, der aber in sein Spielzeug nicht länger nur investieren, sondern was daran verdienen will. Konsterniert frage ich mich: Was will er denn da? Irgendwo in der Einöde an einer Autobahn, an der das beste ist, daß sie nach Süden führt. Und nach Norden nach Hamburg. Jedenfalls kann man davon ausgehen, daß es sich hier um ein großes Mißverständnis handelt, das sich schnell erledigt haben wird. Aber vorher hat Stanislawski noch eine Mission zu erfüllen, und die heißt, St. Pauli auf einen Nichtabstiegsplatz zu führen, was aber einfach nicht gelingen will, denn nach einem furiosen Start in die Rückrunde, gab es in Dortmund einen Einbruch, dem sieben Niederlagen am Stück folgten. Seitdem stemmen sich die St. Paulianer tapfer gegen den Trend, der auch in Leverkusen nicht zu stoppen war, obwohl sie nah dran waren und sie die Niederlage nur einem Torwartfehler zu verdanken hatten. Diesmal aber ging es gegen den direkten Konkurrenten um den Relegationsplatz, und der heißt Wolfsburg und wird von Magath trainiert. St. Pauli war mit Leidenschaft dabei, ließ aber 100prozentige Chancen einfach links liegen, während die schlappe Wolfsburg-Truppe 1:0 in Führung ging, nachdem Diego den Ball mit der Hand zu dem ein paar Meter im Abseits stehenden Mandzukic weiterleitet. Da gibt es drei Schiedsrichter und noch ein paar Aufpasser am Seitenrand und niemand hatte was gesehen. Wonach sieht das denn aus? Nach VW würde ich sagen. Trotzdem läßt sich St. Pauli nicht beeindrucken und geht sogar in Führung, nur um in der allerletzten Minute nach einer Ecke den vollkommen unverdienten Ausgleich hinnehmen zu müssen. Aber diese späten Gegentore sind eine Spezialität St. Paulis. Schon 16 Zähler könnte man mehr auf dem Konto haben, wenn man sich ein paar Minuten länger konzentriert hätte. Auch das 1:0 der Mainzer gegen Gladbach riecht nach Verschwörung, denn den Fohlen wird ein eindeutiger Elfmeter im Strafraum verweigert und damit dürften sie die Mannschaft sein, die am meisten von den Schiedsrichtern benachteiligt wird. Der Club befindet sich weiter auf dem Vormarsch in die Europaleague. Auch durch Bierbecherwürfe der depperten Scheihauslauterer Fans ließen sie sich nicht beeindrucken und gewannen souverän 2:0. Auch die Frankfurter Eintracht schliddert durch eine Niederlage in Hoffenheim Richtung Abstiegsplätze, und das völlig zu Recht, denn wenn man einen Mann engagiert, der Christoph Daum heißt, hat man nichts besseres verdient. Daum gibt jetzt schon Churchill-Parolen aus, um irgendwie die Liga zu halten. »Never ever give up!« Aber da ging es gegen die Krauts, und den Kampf würden die Frankfurter nie gewinnen, nicht einmal wenn Daum noch auf die Schnelle eine V2 erfinden würde. Die  Eintracht war zwar besser, aber gegen Hoffenheim ist das z.Z. keine Kunst, denn außer gegen Dortmund machten die nie eine Bella Figura. Und die Schalker, die so hochgelobt wurden, nur weil sie eine Inter-Mannschaft besiegten, die völlig von der Rolle war, robbten sich zu einem unverdienten 2:2 gegen ersatzgeschwächte Bremer, die gerade auch nichts reißen.