Die Wahrheit über den 9. Bundesligaspieltag

An diesem Freitag Abend musste ich selber arbeiten. Ich konnte mir also gar nicht das Gewürge der Dortmunder angucken, selbst wenn ich gewollt hätte. Ich saß im Dienste der Aufklärung auf einer kleinen Bühne im Münchner Vereinsheim, erzählte von den verrückten Taten des von mir hoch verehrten Sportjournalisten Hunter S. Thompson und zeigte dazu auch einige Filmchen. Das Vereinsheim ist ein Laden, in dem sämtliche Spiele der Bayern gezeigt werden. Ob das ein gutes oder schlechtes Omen war, konnte ich nicht sagen. Aber während der Mann am DVD-Player die Scheiben wechselte, schaltete das Programm immer wieder auf Premiere und gestattete für kurze Momente einen Einblick in die laufende Übertragung. Zuletzt hatte sich das Gerät beim Stande von 1:1 eingeschaltet. Als der angenehme Teil des Abends begann, wurde ich doch zunehmend unruhig. Schließlich ist ein 1:1 nicht gerade ein befriedigend. Also rief ich meinen Gewährsmann Fritz Eckenga an, aber der saß gerade in Sizilien in angenehm lauer Luft in einem Restaurant und genoß den Ausblick aufs Meer. Auch er wusste nur, daß es 1:1 gestanden hatte. Der nächste war Jupp, aber der befand sich gerade irgendwo in der Zone, wo es keine Chance gab, das Spiel zu verfolgen. Er hatte sich wiederum über andere Kanäle über den Spielverlauf informieren lassen. 2:1 gewonnen, erstes Tor Tinga, dann Ausgleich, gelb-rot für Wörns, 2:1 Federico, Scheißspiel. Ich war glücklich. 1. Gewonnen und 2. war mir das Scheißspiel erspart geblieben. Ein gelungener Abend. Immerhin hatten die Dortmunder es endlich kapiert, daß es dooferweise eben nur über den Kampf geht, wenn es sonst schon nicht klappt. Okay, mit Christopher Nöthe und Franck Patrick Njambe standen zwei 19jährige Amateure in der Startformation, was zeigt, daß der BVB nicht nur über ein volles Lazarett verfügt, sondern offensichtlich auch über einen dünnen Kader, aber wie es aussieht, ist die Spielkultur gerade futsch. Doll, den manche für zu lasch halten, meinte nach dem Spiel: „Wir haben gesehen, daß wir eine wahre Mannschaft sind. Nach dem Platzverweis sind die Jungs zu zehnt über sich hinausgewachsen. Das macht mich zuversichtlich für die Zukunft.“ So kann mans natürlich auch sehen. Und Doll bleibt gar nichts anderes übrig, um seinen Glauben nicht zu verlieren. Die Fans jedenfalls sahen ein anderes Spiel, und als Kovac eingewechselt wurde, um Wörns zu ersetzen, wurde er ausgepfiffen. Am Samstag ging es nach Wien, wo ich mit meinem hiesigen Manager eine Wettbude aufsuchte, wo auf einem von tausend verschiedenen Bildschirmen die Liga gezeigt wurde. Und die hatte einige fette und schöne Überraschungen parat. Schalke verlor 2:0 zu Hause gegen Karlsruhe, was die Niederlage der Dortmunder in Karlsruhe im nachhinein etwas erträglicher macht, und in Stuttgart geht gerade die Welt unter. 2:0 verloren die Schwaben gegen die nicht gerade übermächtigen Hannoveraner. Und der blinde Pantelic verschoß zu Hause gegen Cottbus einen Elfmeter, so daß die Herthaner über ein 0:0 nicht hinauskamen. Danach konnte ich frohgemut auch in Wien ans Werk gehen.