Die Wahrheit über den 11. Bundesligaspieltag

Ein grottiger Spieltag und extrem langweilig. Und das lag nicht daran, daß der BVB erst am Sonntag gegen die Bayern spielte. Nein, bis auf Schalke gegen Bremen, ein rasantes Spiel mit Leuten, die etwas vom Fußball verstehen, waren alle Spiele unterirdisch. Angekündigt hatte sich das schon am Freitag in Frankfurt, als der Schiedsrichter im Spiel gegen Hannover schon vor Ablauf der regulären 90 Minuten abpfiff, weil einfach niemand mehr Bock hatte, das torlose Gewürge länger anzusehen. Auch der nächste Saison zu Schalke wechselnde Albert Streit meinte, daß er abgepfiffen hätte, und die Fans sowieso, aber auf die hört ja niemand, wenn die Trainer mit einem taktischen Punkt zufrieden sind. Dieser trantütige Fußball fand seine direkte Fortsetzung in Rostock, wo es gegen den KSC ebenfalls ein torloses Trauerspiel gab, in dem die Fans vor lauter Langeweile nach Stefan Beinlich riefen. In Bielefeld dieselbe Ödnis. Diesmal gegen die andere Zonenmannschaft Cottbus. Bielefeld bemühte sich vergeblich und mit dürftigen Mitteln, den Abwehrriegel der Orangenen zu knacken, und als es dann endlich klappte, ließen sie sich in der 92. Minute nach einem simplen Freistoß zwei Punkte wieder abnehmen. Im Spiel Hertha gegen Bochum gab es zwar immerhin einen Sieger, leider Hertha, aber das auch nur, weil Bochum noch unfähiger war als die Berliner. Maltritz brillierte mit einem sehenswerten Eigentor, bevor Pantelic mit einem zugegeben schönen, aber durchaus verhinderbaren Tor den Endstand herstellte und anschließend sein Leibchen lüpfte, um den Treffer seiner Tochter Ingrid (schon allein das ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, seine Tochter Ingrid zu nennen!) und seinem Kollegen Lucio zu widmen, eine blödsinnige Sitte, die vom DFB zu Recht unter Strafe gestellt wurde und hoffentlich eine saftige Geldbuße nach sich zieht. Denn warum glaubt der Mann eigentlich, die Öffentlichkeit mit seiner Tochter belästigen zu dürfen? Kann er diese Privatangelegenheit nicht für sich behalten? Warum quäkt er in die Mikrophone, hey, seht her, ich habe eine Tochter. Mein Gott, da gibt es ziemlich viele Leute, die sowas haben. Aber bitte schön. Stuttgart, wo man knietief in einer Krise watet, nachdem man bislang sämtliche Champions-League-Spiele verloren hat und knapp vor einem Abstiegsplatz steht (da geht’s Dortmund aber noch gold), erkämpfte sich ein glückliches 1:0 gegen Leverkusener, die besser waren, aber einfach nicht treffen. Und in Wolfsburg ging ein verunsicherter Club unter, eine Niederlage, die ebenfalls durch ein grandioses Eigentor (von Charisteas) eingeleitet wurde, bevor Dejagah zum 3:1-Endstand traf. Der Dejagah, der ein Länderspiel gegen Israel aus antisemitischen Gründen abgesagt hatte, die bei ihm »persönliche Gründe« heißen. Der Antisemitismus aber bleibt. Der unglaublich bescheuerte Moderator des Spiels jedoch meinte, Dejagah hätte mit seinem Treffer die richtige Antwort auf die Vorwürfe des Antisemitismus gegeben. Was bitte schön, ist das für eine Logik? Die Balla-Balla-Logik? Vermutlich, aber genau mit solchen Einsichten qualifiziert man sich ja auch zum Fußballreporter.