Die Wahrheit über den 6. Spieltag

In Freiburg, wo man als Vorletzter gerade mal vier Punkte auf dem Konto hat, nützt nicht mal Überlegenheit, während den Stuttgartern ein Harnik reicht, der mit zwei Schüssen auch gleich zwei Treffer zu verzeichnen hat. Und Leverkusen blamiert sich mit einer historischen 4:1-Niederlage gegen den Lokalrivalen Köln. Vier Tage nach den 2:0-Niederlage gegen ein Chelsea, das seine Stammkräfte schonte, bewiesen die Leverkusener, daß sie noch unterirdischer spielen können, als Köln das in dieser Saison bravourös vorgemacht hat. Allerdings hat diese an sich begrüßenswerte Niederlage des Tablettenclubs einen bitteren Beigeschmack, und zwar nicht nur, weil Köln von der Niederlage profitierte, sondern weil Podolski nicht unwesentlich an diesem Sieg beteiligt war, obwohl er nach einem üblen Foul an seinem Nationalmannschaftskonkurrenten Schürrle eigentlich gar nicht mehr auf dem Platz hätte stehen dürfen. Podolski ist durchaus zuzutrauen, daß er sich das Problem in der Nationalelf sich auf diese Weise vom Hals schaffen wollte. Schürrle hingegen erhielt rot, ohne daß sein Foul nur annähernd die Qualität wie das von Podolski hatte. Manager Völler beschwerte sich darüber zu Recht bei Schiedsrichter Schuster, der in der Tat lieber bei seinen Leisten hätte bleiben sollen. Aber diese unterschiedliche Bewertung von Fouls war nicht das Problem, entscheidend war der insgesamt schwache Auftritt der Tablettenelf. Ballack macht vor wie das geht. Mit den schwächsten Zweikampfwerten und nur 33 Ballkontakten mußte er schon frühzeitig vom Platz genommen werden. Aber nicht nur dieses Ergebnis dürfte kaum jemand auf seinem Wettzettel gehabt haben, auch von den Hamburgern wurde allgemein erwartet, daß sie zu Hause gegen Mönchengladbach alles aus sich herausholen würden, stattdessen wurde es die 5. Pleite in den bisher sechs Spielen. »Ich habe mich gefühlt wie ein Kronleuchter«, sagte Petric. »Ich hing in der Luft.« Aber nicht nur ihm fehlte die Unterstützung, sondern jedem in der Mannschaft fehlte sie. Nur Trainer Oenning wird noch von einem Holländer gestützt, den man ganz schlecht versteht, aber zufällig der HSV-Sportchef ist. Und daß Bremen plötzlich ganz oben in der Tabelle steht, dürfte ebenfalls niemand ernsthaft erwartet haben, nachdem man noch Mertesacker abgeben mußte, was sich aber vielleicht sogar als Gewinn herausstellen wird, nicht nur weil Arsenal ganz gut für ihn bezahlt hat, sondern weil Mertesacker schon seit geraumer Zeit unter Form spielt, wobei es Trainer gibt, die meinen, das wäre seine Normalform, und wenn Mertesacker den Ball habe, könne wenigstens nichts passieren, weil er das Spiel nicht eröffnen könne. Bremen ermauerte sich in Nürnberg ein Unentschieden, wobei das 1:0 für Bremen von dem ehemaligen Nürnberger Ekici erzielt wurde, der sich darüber gar nicht freute. Immerhin sorgte Wiese für Unterhaltung mit einer slapstickreifen Einlage, die stark an seine Showeinlage im CL-Spiel gegen Juve erinnerte, aber zur Konsequenz hatte, daß Werder schon ab der 17. Minute nur noch zu zehnt auf dem Platz war. Vielleicht hatte Wiese auch einfach keine Lust, sich den sintflutartigen Regenfällen auszusetzen. Außer ein paar Oben-ohne-Fans des Clubs saß jeder lieber auf der Tribüne im Trockenen. Und was sagt uns das alles? Es geht mal wieder drunter und drüber in der Liga. Nur Bayern läßt sich davon nicht anstecken.