Die Wahrheit über den 15. Spieltag

Wer darauf gewettet hätte, daß am 15. Spieltag mit den beiden Borussias der 1. gegen den 2. spielen würde, könnte sich jetzt womöglich zur Ruhe setzen und müßte nie wieder Hartz IV-Gelder beantragen. Na gut, bei der wirklichen Borussia wäre es nicht ganz so unwahrscheinlich gewesen, denn schließlich handelt es sich um den aktuellen Meister, so würden Leute argumentieren und denken, die keine Ahnung vom Fußball haben, denn wer genauer hinguckt, weiß, daß die Meistermannschaften, die nicht Bayern heißen, es in der darauf folgenden Saison meistens völlig vergeigt haben. Und die andere Borussia aus Gladbach hatte letzte Saison noch um den Abstieg gekämpft und deshalb ist es für den oberflächlichen Betrachter ganz und gar unwahrscheinlich, daß die plötzlich ganz oben mitspielen. Ist es aber nicht, denn immer wieder schwingen sich Mannschaften von ganz unten auf, wenn bestimmte Faktoren erfüllt sind, wenn der Trainer es versteht, den Spielern Selbstvertrauen einzuflößen, wenn diese ein modernes Spielsystem verinnerlicht haben und umsetzen können, wenn sie vom Verletzungspech weitgehend verschont bleiben usw. Seit der von Hertha entlassene Favre bei Gladbach angeheuert hat, geht es stetig nach oben. Er läßt einen ähnlichen Stil und ein ähnliches System spielen wie Klopp, und er hat die Spieler, die das umsetzen können, vor allem natürlich Reus, der die Dortmunder schon bei früheren Begegnungen sehr geärgert hat, ein Spieler, der auch gut zur wirklichen Borussia passen würde. Der aber spielte diesmal wegen eines kleinen Zehenbruchs nicht mit. Und deshalb war ich recht optimistisch, aber von Anfang an war die Partie ziemlich ausgeglichen mit leichten Feldvorteilen für die echte Borussia. Die Gladbacher versteckten sich jedoch keineswegs, wie man das hätte erwarten können, nachdem vor dem Spiel soviel die Rede davon war, daß die Dortmunder haushoher Favorit seien. Damit versuchte Favre, den Gegner in Sicherheit zu wiegen, sie das Spiel machen zu lassen, um dann schnelle Konter zu setzen. Aber die echte Borussia fiel darauf nicht rein, weil sie schnell merkte, daß der Gegner durchaus gleichwertig war. Das 1:0 von Lewandowski kam zwar mit etwas Glück zustande, war aber insgesamt durchaus dem Spielverlauf angemessen, in der 2. Halbzeit jedoch erspielten sich die Dortmunder ein paar fette Chancen heraus. Die größte nach einer Vorlage von Kagawas Hacke, die Götze eine freie Schußbahn bescherte, aber der Schuß war zu harmlos und unpräzise. Da hatten die Gladbacher mit der einzig wirklich guten Gelegenheit durch Hanke bereits ausgeglichen, ausgerechnet Hanke, der eigentlich schon ein Fall für die 2. Liga gewesen war. Diesmal also versemmelte Götze die zwei Punkte, die er zuletzt bei den Bayern mit seinem Tor eingefahren hatte. Nach dem Spiel waren sich alle einig, daß das Unentschieden zu wenig war, aber wie Klopp sagte, man würde deshalb nicht gleich den Verein auflösen, sondern einfach weitermachen. Außerdem hätten sich die Gladbacher ruhig mal erkenntlich dafür zeigen können, daß die wirkliche Borussia ihnen in der letzten Saison noch drei Punkte geschenkt hatte, die sie vor dem Abstieg bewahrt haben. So ist niemandem gedient, denn die Bayern nahmen harmlose Bremer, die auch noch durch einige üble Fouls glänzten, auseinander und stehen jetzt wieder auf Platz 1.