Die Wahrheit über den 16. Spieltag

Bislang hat sich der Wechsel von Sahin vom BVB zu Real Madrid für niemanden gelohnt. Ohne Sahin ist Dortmund aus der CL ausgeschieden, was mit Sahin wahrscheinlich nicht passiert wäre, während Sahin in Madrid meistens gar nicht spielt, höchstens, wenn mal die B-Elf auflaufen darf, um die Stars zu schonen, und wenn er spielt, dann erhält er vernichtende Kritiken. Auch beim »Clasico« spielte Sahin keine Rolle. Da wurden ihm Özil und Khedira und natürlich Xabi Alonso vorgezogen, und es ist unwahrscheinlich, daß sich mit Sahin an der Niederlage etwas geändert hätte. Real gegen Barca, das ultimative Duell im derzeitigen Fußball, in dem auch zugleich zwei Systeme aufeinander treffen. Das auf Ballbesitz orientierte Kurzpaßspiel der Barcelonesen, das jeden Gegner zermürbt durch gezielte Nadelstiche, ein Spiel wie ein Stierkampf, elegant, ausweichend, gezielte Stiche und schließlich den Todesstoß versetzend, und dieses Spiel hat Barca bis zur Vollendung internalisiert. Dieser Spielweise setzt Mourinho nach den vielen Niederlagen gegen Barca in der letzten Saison ein schnelles risikoreiches Spiel entgegen, in dem bei Balleroberung rasch umgeschaltet wird, der Rest wird durch die individuelle Klasse Bensemas und Ronaldos erledigt. So der Plan, der bei fast jedem Gegner aufgeht, nur eben nicht bei Barca. Äußerlich unbewegt muß es in Mourinho kochen, denn Niederlagen sind in seinem System nicht vorgesehen, jedenfalls keine, die die Vorherrschaft des Gegners dokumentieren, auch wenn sich Real tabellarisch immer noch im Vorteil befinden. Und diese unterdrückte Wut überträgt sich auch auf die Spieler, die mit einem Einsatz zu Werke gehen als gelte es das Leben. So ist es nur dem Großmut des  Schiedsrichter zu verdanken ist, daß sich bis zum Schluß noch alle Realspieler auf dem Feld befanden. Das Spiel war jedenfalls wieder eine Lehrstunde im modernen Fußball, in dem zwei Philosophien auf höchsten Niveau aufeinandertrafen, wobei mit Barca die sympathischere die Nase vorn hatte. Auf Deutschland übertragen könnte der Zweikampf Bayern gegen Dortmund lauten, wenn der BVB eben nicht Sahin an Real verloren hätte. So aber waren es nicht nur eine Fülle von Widrigkeiten und grandiose individuelle Schnitzer, die das Aus in der CL herbeiführten, sondern auch personell nicht zu kompensierende Verluste, zu viele unterschiedliche Mannschaftsaufstellungen, bei denen das Leistungsniveau einfach nicht abgerufen werden konnte. Im letzten CL-Spiel gegen Marseille fiel mit Kehl bereits der 4. defensive Mittelfeldspieler aus, und plötzlich mußte wieder Gündogan ran und da Silva, der in dieser Saison noch kein einziges Mal gespielt hatte. Und zum Unglück gesellt sich dann auch noch meistens Pech, für Marseille das Glück, durch einen Glückstreffer nach einem 2:0-Rückstand sogar noch zu siegen. Jetzt kann sich Dortmund ganz auf die nationalen Wettkämpfe konzentrieren. Und in diesem hat die noch groß gegen den BVB aufspielende Gladbacher Borussia in Augsburg versagt, was noch nicht allzu vielen Vereinen gelungen ist. Schalke hat sich durch einen Sieg in Berlin nach vorne geschoben. Unter tätiger Mithilfe des Schiedsrichters, der ein Handspiel von Jones übersah, fiel im Gegenzug der Schalker Siegtreffer. Bremen hingegen kompensierte seine Chancenlosigkeit gegen die oben spielenden Mannschaften mit einem 4:1-Kantersieg gegen Wolfsburg und stürzte Magath noch ein wenig weiter in die Ratlosigkeit. Er scheint selbst nicht mehr zu wissen, was Wolfsburg noch in der Bundesliga zu suchen hat.