Die Wahrheit über das Achtelfinale

Weihnachtsfeier in der Respectbar. Es gibt BVB-Plätzchen und Chili con Carne, von dem aber nichts mehr da ist, als ich ankomme. Da haben die Fans bereits mit Glühwein vorgeglüht und singen insbrünstig sämtliches Liedgut über den BVB, vor allem »Heja BVB«, und das vor allem laut, wegen des Glühweins und um die eher schlechten Prognosen zu übertönen, die da lauten, daß die Dortmunder extrem ersatzgeschwächt gegen den Überflieger und Tabellenführer der 2. Liga Fortuna Düsseldorf nach einer langen und aufreibenden Saison der Außenseiter sind. Und dann fällt direkt vor Spielanstoß auch noch Kagawa wegen einer Magendarmgrippe aus, sodaß die Mannschaftsaufstellung sehr merkwürdig zusammengewürfelt aussieht. Owomoyela wird nach Santanas Ausfall in die Innenverteidigung beordert und sieht dort schon nach 34 Minuten gelb-rot, weil er mit seiner Grätsche einfach zu spät kommt. Am Ende wird dann sogar der gute alte Kringe eingewechselt, weil Klopp die Spieler ausgehen. Einige Fans in der Respectbar verlieren vollkommen die Fassung. Viel zum Spiel trägt er nicht bei, außer daß er ein paar mal den Ball im Zweikampf verliert. Die Düsseldorfer riskieren trotzdem nichts und hoffen auf doofe Dortmunder, die aber durch Erfahrung schlau geworden, nicht auf Teufel komm raus in die Offensive gehen. Und deshalb bleibt die Partie ohne großartige Torszenen, mit ein paar Schüssen aus der Distanz von den Düsseldorfern, während die Dortmunder erst in der Verlängerung wieder aufdrehen und die platten Rheinländer ein wenig in Verlegenheit bringen, aber auch nicht viel. Die Gesänge werden lauter und es wird felsenfest geglaubt, daß die Düsseldorfer noch lange spielen können, aber an diesem Abend kein Tor mehr machen werden. Die Partie endet wie sie begonnen hat. Torlos, also Elfmeterschießen. Schiedsrichter Manuel Gräfe macht sich unbeliebt, weil er einen übers Tor geschossenen Elfer von Lambertz wiederholen läßt. Und auch Kuba muß zweimal ran, läßt sich jedoch nicht beirren. Aber Gräfes Parteinahme für den Toten-Hosen-Verein nützt nichts. Weidenfeller kann zumindest einen Schuß mit dem Fuß abwehren. Die Dortmunder aber treffen alle. Und begründen damit das Dortmunder Wunder von Düsseldorf, denn das ist dem BVB noch nie gelungen. Vielleicht ein weiterer Hinweis darauf, daß die Dortmunder routinierter werden, indem sie eben auch solche Spiele für sich entscheiden, und gerade die Spiele gegen Zweitligamannschaften, die bis in die Haarspitzen motiviert sind, sind am schwierigsten, vor allem, wenn alle denken, daß man das Kind schon irgendwie schaukeln wird. Auch Bayern tat sich schwer und gewann erst in der 93. Minute durch einen Treffer von Robben knapp mit 2:1 gegen Bochum. Nur Fürth gelang es, als Zweitligamannschaft sich gegen den nur ein paar Kilometer entfernten Club aus Liga 1 durchzusetzen. Auch nur knapp mit 1:0, aber um dieses eine Tor genau waren die Nürnberger eben schlechter. Jetzt eben »Fädd«, wie die »Fädder« zu Fürth sagen.