Die Wahrheit über den 24. Spieltag

Nach dem Spiel machte Thomas Doll im Vergleich zu den letzten Spielen, als er heftigst auf die Schiedsrichter einramenterte, einen entspannten Eindruck und meinte, man hätte mit etwas Glück auch ein Unentschieden erreichen können. Gegen den HSV, der auf die Champions-League-Plätze zusteuert, zu verlieren ist zwar nicht ehrenrührig, aber ein wenig Enttäuschung wäre durchaus angebracht gewesen, auch wenn Hamburg Dolls eigentliche Liebe ist. Immerhin hat sich Dortmund in nicht ganz so desolaten Zustand präsentiert wie zuletzt. Die Niederlage war verdient, aber der BVB hat zumindest versucht, spielerisch dagegenzuhalten, was umso erstaunlicher ist, weil Valdez mitmachen durfte, der zu den Leiden der Fans nicht unwesentlich beiträgt. Über seinem Grab wird einst stehen: »Er bemühte sich.« Wenn man es aber nicht kann, sehen die Bemühungen ziemlich peinlich aus. Trotz Valdez entstand ein munteres Spiel und deshalb ist die Niederlage weniger schmerzvoll als das tröge 1:1 vor einer Woche gegen Hertha. Vielleicht läßt sich die Niederlage auch deshalb leichter wegzustecken, weil sich der Verein auf das Pokalhalbfinale am Dienstag gegen Jena konzentriert. Sogar die angeschlagenen Kehl und Frei wurden für das Spiel des Jahres geschont, das den Dortmundern das Tor zum internationalen Geschäft aufstoßen könnte. Vorausgesetzt Bayern setzt sich in der 2. Partie gegen Wolfsburg durch und wird Deutscher Meister, woran niemand im Ernst zweifeln kann, auch und gerade nach der desaströsen 2:0-Pleite in Cottbus. »Überheblichkeit« wurde den Spielern nach der Partie vom Beißer vom Dienst Kahn attestiert, was den Münchnern zuzutrauen wäre, jedenfalls war eine Menge Lustlosigkeit mit im Spiel, und selten habe ich einen Verteidiger so völlig ohne Elan und Engagement im Strafraum herumtraben sehen wie Van Buyten beim 1:0 von Branko Jelic, der bislang nur auf der Ersatzbank saß und nur durch Zufall ins Team rückte. Die serbische Geheimwaffe machte dann auch noch das 2:0 und die Schmach der Münchner komplett, und es ist ja auch eine schöne Geschichte, wenn ausgerechnet ein Nobody und Fußballsöldner, der zuletzt in der chinesischen Liga kickte, die bekanntlich nicht zu Top-Ligen der Welt gehört, das Starensemble aus München alt aussehen läßt. Auch Hitzfeld schien plötzlich um zehn Jahre gealtert zu sein und fassungslos starrte er mit vors Gesicht geschlagenen Händen auf den Acker von Cottbus. Vermutlich werden die Stars in den nächsten Tagen nicht viel zu lachen haben und wahrscheinlich ist dies die beste Vorbereitung auf das Pokalhalbfinale gegen Wolfsburg, denn gegen die werden sich die Bayernspieler vermutlich drei Beine ausreißen, wenn sie die hätten, denn ich könnte mir vorstellen, daß Hoeneß den Jungs glaubhaft versichert hat, daß sie sonst in seiner Wurstfabrik enden. Und wer will schon so unrühmlich enden? Die Ausrutscher von Bayern sind selten genug, also muß man sich gebührend über sie freuen und Cottbus danken, denn dies ist der einzige Daseinsgrund der Lausitzer in der 1. Liga: Bayern schlagen und danach bitte wieder absteigen.