Die Wahrheit über den 19. Spieltag

Der BVB war genau wie in der Hinrunde gestartet und hatte den HSV in seine Einzelteile zerlegt. 5:1 hieß es am Ende, und schon lange vor dem Abpfiff wanderten die tollen HSV-Fans nach Hause oder zur nächsten Getränkebude, denn nach den ungefähr zwanzig dürftigen Unentschiedenspiele unter der Regie des als Retter geholten Thorsten Fink kriegte man jetzt von den Schwarzgelben auch noch ordentlich was aufs Haupt. In der Hinrunde war man mit einem 3:0 davongekommen und die Vorstellung des BVB war so beeindruckend und so wenig beeinflußt vom Fehlen Sahins, daß ich bereits hoffnungsvolle Prognosen stellte. Dann begann mit dem nächsten Gegner aus Hoffenheim bekanntlich ein Knick, der eine Zeitlang anhielt. Irgendwie ist man auf die Wiederholung eines Ereignisses fixiert und deshalb fürchtete ich mich vor dem Spiel, denn niemand konnte mir sagen, warum sich Dortmund ausgerechnet gegen Hoffenheim so schwer tut, die sonst noch mehr als letzte Saison vor sich hingurken und auf einen zweistelligen Tabellenplatz verdämmern werden. Aber diesmal war alles anders, diesmal wurde auch Hoffenheim völlig zerlegt von einer wie aufgedreht wirkenden Borussia, die dem Gegner nie die Zeit zum kontrollierten Paßspiel ließ. Und dabei ließ Lewandowski noch jede Meine Chancen aus, weshalb diesmal Kagawa und Großkreutz für ihn einspringen mußten, die auf wunderbare Weise miteinander harmonierten. Vor allem Kagawa war schnell und in seinen Laufwegen wie eine Flipperkugel, nie wirklich berechenbar. Und das alles ohne Götze, der wegen eines entzündeten Schambeins nur auf der Tribüne saß und von Klopp Urlaub verordnet bekam. Ich habe selbst schon alle Fußballverletzungen getestet wie Muskelfaserriß, Aduktoren, Bänderriß, Meniskus, Rücken, aber mein Schambein hat sich nie entzündet. Ich wüßte nicht mal, wo dieses ominöse Schambein eigentlich ist und wozu man das braucht. Viele Schriftsteller und Feuilletonisten schreiben ja immer wieder mal gern von der »großen Scham«. Vielleicht hat die ja jetzt Laufen gelernt. Aber warum mischt sie sich dann beim Fußball ein? Dieses Geheimnis muß noch genauer recherchiert werden. Überraschender als ein entzündetes Schambeim war die Tatsache, daß Dortmund sich immer wieder neu erfindet und Verluste von Weltklassespielern spielend wegstecken kann. Leider hat Bayern und Schalke auch gewonnen, gegen Luschenmannschaften wie Wolfsburg und Köln, so daß sich an den Tabellenspitze mit einem punktegleichen Trio nichts geändert hat. Die nunmehr schon neun bzw. zehn Punkte zurückliegenden »Verfolger« Bremen und Leverkusen trennten sich 1:1, geredet wurde aber nur über Ballack, der jetzt nicht mehr spielen darf und für sechs Millionen Jahresgehalt auf der Bank sitzt. Dafür würde ich mir sogar Leverkusen-Spiele angucken. Gerüchteweise geht er jetzt nach New York, der lukrativen Zufluchtsstätte für in Europa ausgemusterte Profis. So lange die dort aber nicht auf Nachwuchsspieler setzen, wird das auch nichts mit einer Fußballmacht USA, die sie sein müßte bei diesem großen Reservoir und Potential.