Die Wahrheit über den 24. Spieltag

Nach der Niederlage der Bayern gegen Bayer schlagen Hoeneß, Nerlinger und Co. eine andere Taktik ein, um die Dortmunder zu verunsichern. Noch bevor der BVB später gegen Mainz nur knapp gewinnt, gratuliert man dem Deutschen Meister zu einer weiteren Meisterschaft, in der Hoffnung, ihn dadurch ein wenig träge und unvorsichtig zu machen. Aber die Wünsche aus München haben ihr Ziel verfehlt, denn noch gibt es zehn Spieltage und damit dreißig zu vergebende Punkte, und auch wenn irgendeine Statistik besagen sollte, daß eine Mannschaft, die am 24. Spieltag mit sieben Punkten Vorsprung vor Bayern lag, später auch Meister wurde, heißt das wie die meisten Statistiken gar nichts. Man kann nur den Augenblick genießen und sich verwundert die Augen reiben, weil Bayern verläßlich an Boden verliert, und das gegen Bayer, einem der zuverlässigsten Punktelieferanten für die Bayern. Dabei hat Bayer schon lange den Anschluß verloren, darf jetzt noch ein wenig Sparringspartner für Barcelona spielen und sucht mit Dutt schon fast ein wenig verzweifelt nach der Form der Vorjahre. Vielleicht war dieser Sieg ein von langer Hand vorbereiteter Coup, der mit der Abschiebung von Heynckes nach München auf diabolische Art ins Werk gesetzt wurde, weil man in Leverkusen wußte, daß Heynckes eine Pflaume ist, auch wenn er mit der Industrieelf in der letzten Saison vorne mitmischte. Bei Bayern, wo man nach den ganzen mißglückten Experimenten mit der Zeit gehen und wieder auf etwas Seriös-konservatives setzen wollte, erweist sich Heynckes als Schlaftablette, der eine Spitzentruppe nicht formen kann, höchstens ruinieren, was er ja schon mal in Frankfurt bewiesen hat. Der BVB hingegen witterte seine Chance, den Abstand zu Bayern zu vergrößern und gab gleich von Anfang an Vollgas. Diesmal mit Gündogan für den verletzten Kehl, und wieder war es kaum zu glauben: Gündogan mauserte sich plötzlich zur zentralen Schaltstelle des Dortmunder Spiels, verteilte souverän die Bälle und spielte geniale Pässe in die Spitze. Und das ist das Geheimnis der Dortmunder Stärke, daß man dort in der Lage ist, jeden noch so wichtigen Spieler fast gleichwertig zu ersetzen. Acht gewonnene Spiele in Folge, das ist irgendein Rekord und passiert auch in Spanien nicht alle Tage. Dortmund spielte drückend überlegen, nur Lewandowski ließ jede Menge großkalibrige Chancen aus. Die Südtribüne war nicht nur so freundlich, den im roten Trikot zurückgekehrten Zidan zu feiern, auch seine ehemaligen Kollegen gönnten ihm den fünften Treffer im fünften Spiel, und das ist auch irgendein Rekord. Man machte es nochmal spannend, aber nur drei Minuten lang, dann schlug Piszczek und Kagawa zu. Und als ob das alles nicht schon traumhaft schön genug wäre, belohnten sich die Freiburger mit drei Punkten in einem couragierten Spiel ausgerechnet gegen Schalke, die jetzt schon mit elf Punkten abgeschlagen eher ins Mittelfeld abdriften. Nur einen kleinen Wermutstropfen gab es. Bremen, obwohl drückend überlegen, vergeigt es gegen ihren ehemaligen Trainer Rehhagel in Berlin und trägt von nun an Mitschuld am Verbleib Herthas in der Liga, der nicht hätte sein müssen.